Die Sonntage

kleiner Wortgottesdienst zu Quasimodogeniti von Pfr. Frank Lilie

Quasimodogeniti – Wie die Neugeborenen

Ein kleiner Wortgottesdienst zum ersten Sonntag nach Ostern

von Frank Lilie

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Gott, du Licht, du Leben, du alles!
Du wirkst in allen Kräften der Welt nach deinem Willen.
In dir ist das Undenkbare möglich und selbst der Tod ist überwunden in dir!

Lied EG 108 (Mit Freuden zart)

Hören wir auf den Evangelisten Johannes:

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder,

wie ein säkularer Segenswunsch, so kommt mir der in diesen Wochen und Monaten immer wieder zu hörende Satz „Bleiben Sie gesund“ vor. Ja, Gesundheit ist wichtig, ja, ich wünsche niemandem Krankheit, ja, ich will keinen anstecken und ich möchte auch nicht angesteckt werden. Wäre nur das gemeint, könnte der Satz aber auch anders lauten: „Stecken Sie sich bitte nicht an.“ Oder sogar: „Stecken Sie mich bitte nicht an.“ Und so ist er auch schon zu hören gewesen. Die Krise der Pandemie macht egoistisch und unter dem Firnis der Zivilisation wird die hässliche Fratze der Selbstbezogenheit erkennbar. Der andere wird mir gleichgültiger. Das ist nur verständlich, wenn wir bedenken, wie viele Menschen jetzt elementare Existenzsorgen haben. Die wirtschaftlichen Probleme drohen uns zu erdrücken. Die Krankheit vereinzelt.

Gerade hier liegt die Gefahr. Für Thomas war es der Zweifel an Jesu Auferstehung, der ihn von den anderen abschottete. Und es brauchte die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst, um sein Leben zu wenden. Was schottet uns ab und wirft uns auf uns selbst zurück? Ja, wir sind auf uns selbst Zurückgeworfene, wir vereinsamen unter der Krise. Wir merken, dass sich das Leben, dass sich der Glaube, dass sich die Hoffnung nicht von selbst verstehen. Viele schöne Sätze verbieten sich jetzt. Sie klingen hohl und sogar zynisch.

Nur: War das nicht schon seit dem ersten Osterfest so? War die Auferstehungsbotschaft nicht von jeher an Menschen gerichtet, die zweifelten und die mit ihr gerade nichts anfangen konnten? Sonst wäre sie doch genau das nicht, was sie ist, nämlich die Verkündigung des Sieges über den Tod. Ich brauche keine Botschaften, die mich bestätigen und mir sagen, was ich ohnehin schon weiß. Ich brauche vielmehr eine Erfahrung, die mich aufrüttelt, mich packt und verändert. Ich will vom Sieg hören und nicht von der Niederlage. Wie es eben Thomas widerfuhr.

Thomas hat das Zeug zu meinem Lieblingsapostel. Denn sein Zweifel ist letztlich doch sehr tröstlich – für alle, die sich mit der Osterbotschaft schwer tun. Es reicht nicht, sich gegenseitig mit Durchhalteparolen aufmuntern zu wollen (auch nicht durch den Wunsch „Bleiben Sie gesund“). Geholfen ist Thomas und mir und uns nur, wenn uns die Wirklichkeit des Auferstandenen selbst überwältigt. Übersehen wir dabei allerdings bitte nicht, dass dies nur durch das Kreuz hindurch möglich ist. Ohne Krise gibt es kein Leben, ohne Zweifel keinen Glaube und ohne Tod keine Auferstehung. Wer das Licht ohne die Dunkelheit haben will, ist verblendet. Und umgekehrt gilt: Wer nur auf die Dunkelheit schaut, ist in der Gefahr, das Licht zu verpassen. Die Herausforderung der Auferstehungsbotschaft lautet: Dieses Licht ist für uns am Ostermorgen entzündet worden! Sehen wir es unter den Schatten des Todes, ahnen wir es, glauben wir es am Fuße des Kreuzes? Dann ist es an uns, uns jetzt entzünden zu lassen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied 117 (Der schöne Ostertag)

Du Trost und Leben,
der Glaube siegt und trotzdem ist das Herz schwer.
Wir legen dir die Toten der letzten Wochen an dein liebendes Herz.
Wir sind traurig, wenn wir an die Schmerzen der Angehörigen denken.
Du Gott der Lebenden, zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Du Trost und Leben, das Osterlicht leuchtet wieder, und trotzdem verdunkeln Sorgen den Blick auf das Weltgeschehen.
Wir sind in Sorge, wenn wir an das Zusammenleben in unserem Land, in Europa und in der Welt denken.
Du Gott der Lebenden, zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Du Trost und Leben, die Natur lebt auf, und trotzdem drücken Krankheit und Not deine Menschen. Wir hoffen für die Kranken und für alle, die ihnen beistehen. Wir hoffen für die Verzweifelten.
Für sie und für alle hoffen wir auf die Kraft der Auferstehung.
Du Gott der Lebenden, zu dir rufen wir:
Erbarme dich.

Du Trost und Leben, du Kraft in den Schwachen, du Mut für die Hoffenden, du Auferstehung für die Welt.
Dir vertrauen wir uns an, Dir gehören wir –
heute und alle Tage.

Vaterunser

Es segne und behüte uns Gott,
der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist!