Die Sonntage

Predigt über Röm 12,17-21 | 12. Sonntag nach Trinitatis

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes …

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute erleben wir die Aufführung der Friedensmesse von Lorenz Maierhofer in unserem Gottesdienst. Daher soll es auch in der Predigt über den Frieden gehen.

Lesen: Röm 12,17-21
(…)

„Vergeltet niemand Böses mit Bösem.“ Ich überlege: Wirklich niemand?“ „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“ Das klingt gut. – Aber je länger ich darüber nachdenke, desto eher fallen mir dazu Situationen ein, in denen ich nicht nur auf das Gute bedacht gewesen bin. Wenn ich mich von jemandem verletzt gefühlt habe, wollte ich schon auch mal zurückschlagen! Dem zahle ich das jetzt heim! Der soll mich mal kennen lernen! Ich bin nicht immer so freundlich, wie ich mich gerne gebe. Die Wunden, die andere mir beigebracht haben, heilen langsam.

„Ist´s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“  Ich bin im Grunde ein friedliebender Mensch. Aber gerade neulich ist mir mal wieder der Kragen geplatzt! Wie leicht ist es, andere mit Worten zu verletzten! Und wie gut tut es doch, die Aggressionen nicht nur in mich rein zu fressen, sondern sie nach außen zu richten, oder?!

Gibt es einen Menschen, der ihnen oder euch Böses angetan hat? Gibt es einen Menschen, mit dem Sie in Streit leben? Gibt es einen, der sie so behandelt hat, dass sie denken: Das werde ich ihm heimzahlen?

Ein Male – das ist allerdings jetzt schon einige Jahre her –  habe ich gehört: Also mit dem zusammen kann ich nicht das Abendmahl feiern!

Es gibt bei Christen keinen Knopf, mit dem man aggressives Verhalten einfach abstellen kann. Also: Wie soll das gehen, lieber Paulus?

Der Apostel Paulus schreibt: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes.“

Zuerst mal: Wenn ich nicht zurückschlage, heißt das noch lange nicht, dass die, die Böses tun, einfach so davon kommen. Wir wissen nicht, wie das aussehen wird, das „Jüngste Gericht“. Dann werden wir auf jeden Fall nach unserem Tun und Lassen gefragt werden. Aber wenn ich selber die Rache in die Hand nehme, dann verliere ich Gott aus den Augen. Und ohne Gott, das ist meine Erfahrung, ist alles nichts. Ohne Gott finde ich keinen Frieden…nur kurzzeitige Ablenkung, Vertröstung.

Eigentlich steht da im Urtext nur ein Wort: „Geliebte“: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte“.  Paulus erinnert an dieser Stelle seine Leser daran, dass sie von Gott Geliebte sind. Paulus erinnert sie daran, wie Gott mit ihnen umgeht: Er vergilt ihnen nicht im Zorn die Sünden, rächt sich nicht auf ewig an ihnen, bricht nicht alle Brücken zu ihnen ab. Immer wieder hören wir in der Heiligen Schrift: Gott liebt uns – trotz Sünde und Schuld. Paulus weiß: Gott hat sich in Liebe hingegeben für uns durch seinen Sohn Jesus Christus.

„Geliebte“, so redet Gott auch uns an, dich und mich. Ich hab dich unendlich lieb, sagt Gott, obwohl du schon so oft von mir weggelaufen bist – obwohl du mich so oft vergisst und deine eigenen Wege gehst. Aber ich will dich bei mir haben, ich vergebe dir und schenke dir ewiges Leben.

So geht Gott mit uns um! Wenn ich mir diese Liebe bewusst mache – Dann weiß ich: Der einzige Weg, das Böse zu besiegen, ist, nicht zurückzuschlagen!

Der einzige Weg, wieder miteinander ins Reine zu kommen, ist die Vergebung. Das, was ich im Internet unter meinerache.de gefunden habe, kann es ja wohl nicht sein: Da finde ich folgendes Angebot: „Ruiniere Deine Feinde!“ Untertitel: „Wie Du Feinde ausspionierst, mit der passenden Rache Deine Feinde ruinierst & 100-fach genießen kannst“.

Ich möchte nicht 1000 Tricks lernen, um meine Feinde zu ruinieren. Ich denke, dass es viel schwieriger, aber auch besser ist, bei mir selbst anzufangen:

Wo ich mit einem Menschen nicht gut klar komme, versuche ich meinen eigenen Anteil daran zu betrachten. „Wieso bringt mich der so auf die Palme?“ Oft stecken alte, längst vergessene Erfahrungen da hinter. Aber: Ich selbst kann etwas für den Frieden zwischen uns tun. Verändere ich mein Verhalten, verändert sich auch das Verhalten meines Gegenübers.

Und siehe da, Wunder geschehen, mit denen wir nicht gerechnet hätten. Ein kleiner Anfang kann große Veränderungen bewirken. Und – wir kommen dem Frieden einen kleinen Schritt näher.

Klingt das zu phantastisch oder weltfremd? Vielleicht. Aber heißen wir nicht nach dem, der mit der Liebe zu seinen Feinden wirklich ernst gemacht hat? Und das bis zum Tode am Kreuz!

 

Mich begeistern und inspirieren Menschen, die – wie Hans-Dieter Hüsch – alles auf die Karte LIEBE setzen:

Ich setze auf die Liebe.
Wenn Sturm mich in die Knie zwingt
Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
Ein Freund im anderen Lager singt
Ein junger Mensch den Kopf verliert
Ein alter Mensch den Abschied übt

Das ist das Thema
Den Haß aus der Welt zu entfernen
Und wir bereit sind zu lernen
Daß Macht Gewalt Rache und Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen

Die einen sagen es läge am Geld
Die anderen sagen es wäre die Welt
Sie läg in den falschen Händen
Jeder weiß besser woran es liegt
Doch es hat noch niemand den Haß besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden

Er kann mir sagen was er will
Und kann mir singen wie er´s meint
Und mir erklären was er muß
Und mir begründen wie er´s braucht
Ich setzte auf die liebe! Schluß.

Gott helfe uns dazu. Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist ….

Predigt über Röm 12,17-21 von Pfarrer Traugott Schuller

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