Rhein.-Westf.

Michaelsfest 2018

Bericht vom Michaelsfest des Rheinisch-Westfälischen Konventes und des Konventes Oberrhein auf dem Kirchberg, 20. bis 23. September 2018

Rückbesinnung, Neubesinnung – das jährliche Michaelsfest ist ein Passageritus. Für jeden einzelnen Bruder ebenso wie für die Gemeinschaft.

Über 60 Gäste und Brüder fanden sich dazu auf dem Kirchberg ein – einem Ort, der selbst für Tradition, Neubeginn und Zukunft steht, als ehemaliges Kloster, Berneuchener Haus und mit den Ausbauplänen für die kommenden Jahre.

Nach dem Ankommen und (Wieder-)Kennenlernen der Brüder und Gäste stand am Freitag der Blick zurück auf dem Programm. Zunächst in der Gedächtnismesse, in der Br. Muller über die Auferweckung des Lazarus predigte als Erzählung zwischen Hoffnung und Anfechtung, Warten auf Jesus und seinem Wirken bei uns. In der abendlichen Beichtfeier, nach den Rechenschaftskonventen und der Gelegenheit zur Einzelbeichte, fand Br. Diegel einen biographischen Zugang zum Thema Schuld. Gespräche, Gesang und Gebete – unter anderem in Form des Christus-Rosenkranzes – prägten die Nachtwache in der Elisabethkapelle.

Die brüderliche Kleiderordnung und die Geduld waren Leitbegriffe der Predigt zur Bruderschaftsmesse am Samstag, die Br. Mersmann gehalten hat. Besonders erfreulich war die Aufnahme von Thomas Hahn- Bruckart in den Konvent der Brüder. Am Vormittag trafen sich die Brüder und Gäste dann mit dem badischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Er sprach auf Grund der Kirchenschrift   der   Bruderschaft über Gegenwart und Zukunft der Kirche. Erwartungsgemäß ergab sich eine rege Diskussion über Ausrichtung und Leben der Kirche, die sich in Veränderungsprozessen befindet. Der Bischof vertrat hier eine differenzierte und unideologische Position mit viel Sympathie, aber auch Anfragen an die Haltung der Michaelsbruderschaft.

Am Nachmittag warf Br. Klek auf Grund des inzwischen durch Br. Kattwinkel digitalisierten und archivarisch erfassten Fotobestandes der Bruderschaft einen historisch-unterhaltsamen Blick auf das „Wagnis Kirchberg“, die Anfänge des Berneuchener Hauses im alten Kloster.

In der Michaelsvesper deutete ich den Engel, der Petrus aus dem Gefängnis befreit (Apg 12, 1-17) als den seelsorglichen Aspekt der göttlichen Boten und erinnerte an die nicht nur „kämpferische“, sondern auch seelsorgliche Grundlegung der Michaelsbruderschaft.

Die Agapefeier im Kapitelsaal war geprägt durch die Reden zu Vaterland (Br. Ludewig), Kirche (Br. Müller) und Bruderschaft (Br. Hahn- Bruckart), musikalische Beiträge und Worte eines ganz besonderen Gastes: Pasteur Manassee von der „Kirche des Nazareners“ aus Haiti begleitete das Fest als Gast von Br. Siegwalt über die ganze Zeit hinweg. Predigten, Reden und Gebete wurden ihm stets simultan übersetzt – eine schwierige Aufgabe, für die die Konvente herzlich danken. Pasteur Manassee berichtete über die theologische Neuausrichtung der evangelischen Kirchen seiner Heimat. Wohl auch erstaunt oder gar bedrückt hat es sicher einige Zuhörer, dass dort jetzt Gott neu verstanden werden soll als ein Gott der Armen, Kranken und Leidenden – statt ein Gott, der sich nicht um die Welt kümmert. In der Kollekte am Sonntag konnten wir über 700 Euro sammeln, die für den Aufbau einer theologischen Bibliothek in Haiti für dieses Projekt vorgesehen sind.

In der ebenso behutsam wie feierlich gestalteten Michaelsmesse am Sonntag predigte Br. Mielke auf Grundlage von 1. Kor 13 über die Perspektiven von Bruderschaft und Kirche – Bleibendes und Vergängliches, ebenso wie die Notwendigkeit der Rückbesinnung und Neuinterpretation der Not, aus der die Bruderschaft einst gestiftet wurde und die sie heute noch als ihr Anliegen versteht.

Mit der Entlassfeier und der Weisung des Seniors endete ein harmonisches, aber auch zum Nach- und Vordenken anregendes Michaelsfest. Als Rückbindung an die Bruderschaft ebenso wie als Start in eine Zukunft, in der es viel zu gestalten, viel zu entdecken und vielleicht auch zu erneuern gilt.

 

Br. Benjamin Härte