Rhein.-Westf.

Michaelsfest 2017, Kloster Kirchberg

Bayern, Westfalen, Rheinländer – drei doch recht unterschiedliche Mentalitäten haben sich vom 12. bis 15. Oktober 2017 auf dem Kirchberg zusammengefunden, um das Michaelsfest gemeinsam zu begehen. Und schnell wurde klar: Harmonieprobleme gab es nicht – im Gegenteil. Mit über 60 Gästen und Brüdern sowie weiteren Gruppen war der Kirchberg stark ausgelastet, sodass in den Gottesdiensten viele Menschen ihre erste Begegnung mit dem spirituellen Leben der „Berneuchener“ hatten.
Nach der Wieder- oder Neubegegnung am Donnerstagabend feierten die Konvente am Freitag eine sehr würdige Gedächtnismesse. Br. Kretschmar predigte eindrücklich zu Lazarus über seine Erfahrungen, die er bei der Überwindung seiner Krebserkrankung gemacht hat. In der Bibelarbeit wurde das Thema „Der Heilige Geist in der Apostelgeschichte“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und in Kleingruppen bedacht.

Bei den Rechenschaftskonventen konnten die Brüder über das vergangenen Michaelsjahr berichten, voneinander hören, füreinander singen und beten. Die Lossprechung in der anschließenden Beichtfeier setzte einen neuen Anfang. Br. Schwarz predigte über das Hören als Schlüssel zum geistlichen Leben anhand des Doppelgebotes der Liebe.

Höhepunkt der Bruderschaftsmesse am Samstag war die Aufnahme von Br. Tom Kattwinkel in den Rheinisch-Westfälischen Konvent. In meiner Predigt versuchte ich, den Kampf der Bruderschaft als das kontinuierliche Setzen von Wegzeichen der Gegenwart Gottes im Alltag zu charakterisieren. Br. Hahn-Bruckert leuchtete das allgegenwärtige Thema „Luther“ in seinem anschließenden Festvortrag von einer ungewöhnlichen Seite aus: Wie wurde Luther in den Freikirchen rezipiert, insbesondere bei Baptisten und Methodisten? Ein vielfältiges Bild entstand, wie der Reformator bzw. die Wittenberger Reformation auch hier in die eigene Geschichte „eingepasst“ wurde und wird. Weithin gelobt wird immer wieder der Blick vom Kirchberg auf die Burg Hohenzollern – die Wenigsten waren aber schon mal auf der Stammburg der Preußenkönige und Deutschen Kaiser. Am Nachmittag fuhren wir mit zwei Bussen ins nahe gelegene Hechingen und flanierten „königlich“ auf der im 19. Jh. eher phantasievoll als historisch rekonstruierten Burg und in der Ausstellung. In der Christuskapelle feierten wir die Michaelsvesper. Br. Mersmann knüpfte an seine Jugenderinnerungen an, in denen die Biographie Friedrichs des Großen, dessen Sarg lange in der Kapelle stand, eine wichtige Rolle spielte. Musikalisch unterstützt von Br. Amberg feierten wir abends im Kapitelsaal die Agape mit Reden von Br. Ploch, Br. Kattwinkel und Br. Kempter. Wie auch die anderen Messen wurde die Festmesse in der Johanniskirche gefeiert und von einer kleinen, aber feinen Schola begleitet. Br. Prager predigte auf Grundlage von Dan 10 über die Schwäche des Menschen und Gottes Macht, die diese überwindet. Die Feiern, Messen und Gespräche waren geprägt von einem guten Zusammenklang – viele persönliche Begegnungen ergänzten diesen Eindruck. Dazu trug sicher auch das wunderbare Wetter bei, das zum Verweilen unter der Kastanie und Spaziergängen einlud. So konnten Br. Sachi und Br. Schäfers mit dem Reisesegen und der Weisung des Senior einen gelungenen, stärkenden und geisterfüllten Konvent beenden.

Br. Benjamin Härte