Die Sonntage

Impuls zum 5. Sonntag nach Trinitatis von Pfr. Peter Schwarz

Lk. 5, 1-11

Lukas malt uns ein anschauliches Bild: Simon, der Fischer, der seine Netze wäscht nach einer langen Nacht – und daneben die Menschenmenge, die die sich am Ufer um ihn gesammelt hat, um den Gottesmann aus Nazareth zu sehen und zu hören.

Hier ein Mann, den nach einer langen Nacht die leergebliebenen Netze wäschst, direkt daneben Neugierige und Suchende, die sich auf den Weg gemacht heben.

Zwei Gruppen von Menschen, ja zwei Welten stehen nebeneinander: Hier Fischer, denen noch die Erfahrung einer langen und letztlich vergeblichen Arbeitsnacht in den Knochen steckt, dort Menschen mit ihrer Sehnsucht und Hoffnung auf Neues. Selten sind mühsame Alltag und die Suche nach Sinn und Halt so dicht nebeneinander.

Auch heute gibt es Menschen, die sich auf die Suche gemacht haben nach Begegnungen und Erfahrungen, die ihrem Leben neue Impulse und Tiefgang geben. Den Weg in unsere Kirchen und Gemeindesäle finden nur wenige.  Dafür nehmen manche von ihnen weite Strecken auf sich, damals zum See Genezareth, heute vielleicht den Jakobsweg. Es ist spannend, sie dabei zu begleiten.

Viel unauffälliger und weniger spektakulär die anderen, die ihrem Alltagsgeschäften nachgehen, oft mit dem unguten Gefühl: es nützt doch alles nichts genutzt. Was hinter den Mauern von Kirchen und Gemeindehäusern verhandelt wird, hat mit dem, was sie erleben und erfahren, oft wenig zu tun.

Jesus aber macht das Boot des Fischers zum Ort, wo Gott vernehmbar und erfahrbar wird.  er steigt ins Boot des Simon und bittet ihn, ein Stück hinaus zu rudern auf den See, damit er besser zu hören ist. Das Boot soll zur Kanzel werden. Von hier sollen die Suchenden Wegweisung und die Fragenden Antwort bekommen; in manchen Kirchen ist darum die Kanzel als in Erinnerung daran als Bug eines Schiffes gestaltet.

Jesus macht Gott vernehmbar und erfahrbar, doch nicht allein für die schon abgerührten, die schon auf der Suche sind. Das Boot wird auch für Simon, den Fischer, zum Ort, wo Gott ihm begegnet. Er mischt sich in seine Arbeit und die seiner Gefährten ein. „Fahr hinaus, wo es tief ist und werft eure Netze zum Fang aus“. Tiefgang statt Oberflächlichkeit auch im Arbeitsalltag. Das mag zunächst gegen alle Erfahrung sein, denn wie doch der Schatten des Bootes die Fische verscheucht, so vertreibt routinierte Resignation den Geist.

Als Simon mit seinen Gefährten sich auf dieses Un-Erfahrene  einlässt, erlebt er eine Fülle, die ihn fast beängstigt. Die Netze drohen zu reißen. Zugleich erlebt er auch: Ich bin angewiesen auf die anderen, und sie können mir tatsächlich helfen.

Vor allem aber erfährt Simon in der unerwarteten Fülle Gott.  Er beginnt er zu ahnen, was Leben sein kann und ist er überwältigt. Nicht so sehr von der Erkenntnis seines Versagens: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch“ ist nicht der Ausruf eines reuigen Missetäters. So ruft einer, der zugleich überwältigt und überfordert ist, weil ihm durch Jesus die Fülle des Lebens begegnet.

Der aber spricht das befreiende Wort: „Fürchte dich nicht“. Mit diesem Wort wird in der Bibel immer wieder den Bann löst: bei den Menschen, die er anredet und beruft, bei den Frauen, die am leeren Grab erschrecken. Es ist vielleicht das wichtigste Wort in den vielen Seiten der Bibel.

Wir sollen das als Allererstes hören, wenn wir spüren, dass Gott uns nahe kommt: Fürchte dich nicht. Nicht vor deinem Mangel fürchte dich und nicht vor der Fülle dessen, das Gott dir anvertrauen will. Fürchte dich nicht vor den Schatten der Vergangenheit, fürchte dich nicht, wenn die gegenwärtige Mühe vergeblich und die Sehnsucht für alle Zukunft unerfüllt scheint.

Seit der Mann aus Nazareth in das Boot des Fischers gestiegen ist, gibt es keinen Grund, sich vor einer Begegnung mit Gott zu fürchten. Ob sie unerwartet mitten im Alltag geschieht oder nach einer langen Suche. Beides sind Wege Gottes, der eine nicht weniger wert als der andere.

Auch auf Simon – Petrus und seine Lebens- Aufgabe fällt jetzt ein neues Licht. Menschenfischer soll er sein, einer, dem lebendige Begegnungen wichtiger sind als wohlgeordnete Geschäftigkeit. Einer, der Gott das Unglaubliche zutraut: für jeden Menschen und in jedem Augenblick. Ein Brückenbauer zwischen Alltagswelt und religiöser Sehnsucht.

Gott lässt ihn im übrigen nicht allein mit dieser Aufgabe. Von am Anfang an gibt Jesus dem Simon Gefährten an die Seite, die mit ihm das Netz auswerfen und so ein Netzwerk des Glaubens schaffen. Das Evangelium kennt sie mit Namen: Jakobus und Johannes, Andreas und anderen, und keiner dieser Namen ist austauschbar. Bis heute erinnern wir uns dankbar an jene, die zuerst das Netz ausgeworfen haben. Sie haben auch uns mit ins Boot genommen.

von Pfr. Peter Schwarz

 

 

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