Die Sonntage

Hausgebet für den 1. Advent

Wochenspruch

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

(Sacharja 9,9)

 

Ich entzünde eine Kerze und werde still.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gemeinsam feiern wir Gottesdienst

zuhause an unseren Tischen und versammelt in der Kirche. Wir bitten:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus Und die Liebe Gottes

Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Amen.

 

Lied: Macht hoch die Tür (EG 1)

Text: Georg Weissel (1623) 1642; Melodie: Halle 1704

 

1.Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; / es kommt der Herr der Herrlichkeit, / ein König aller Königreich,

/ ein Heiland aller Welt zugleich, / der Heil und Leben mit sich bringt; / derhalben jauchzt, mit Freuden singt: / Gelobet sei mein Gott, / mein Schöpfer reich von Rat.

2.Er ist gerecht, ein Helfer wert; / Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, / sein Königskron ist Heiligkeit, / sein Zepter ist Barmherzigkeit; / all unsre Not zum End er bringt, / derhalben jauchzt, mit Freuden singt: / Gelobet sei mein Gott, / mein Heiland groß von Tat.
3.O wohl dem Land, o wohl der Stadt, / so diesen König bei sich hat. / Wohl allen Herzen insgemein, / da dieser König ziehet ein. / Er ist die rechte Freudensonn, / bringt mit sich lauter Freud und Wonn. / Gelobet sei mein Gott, / mein Tröster früh und spat.
4.Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, / eu’r Herz zum Tempel zubereit‘. / Die Zweiglein der Gottselig- keit / steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; / so kommt der König auch zu euch, / ja, Heil und Leben mit zugleich. / Gelobet sei mein Gott, / voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
5.Komm, o mein Heiland Jesu Christ, / meins Herzens Tür dir offen ist. / Ach zieh mit deiner Gnade ein; / dein Freundlichkeit auch uns erschein. / Dein Heilger Geist uns führ und leit / den Weg zur ewgen Seligkeit. / Dem Namen dein, o Herr, / sei ewig Preis und Ehr.

 

 

Psalm 24

Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des Herrn Berg gehen,

und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist,

wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört:

der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles.

Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre?

Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre?

Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewig- keit. Amen

 

 

Eingeständnis und Zusage

In dunkler Zeit kommen wir zu Gott, damit er zu uns kommt. Er erleuchte uns mit seinem Licht, und erfülle alles, was in Finsternis lebt. Er vertreibe das Böse, vergebe uns die Schuld und schenke uns seine Gnade:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er vergebe uns unsre Sünde und führe uns zum ewigen Leben

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir. Wir dürfen gewiss sein: Der allmächtige Gott kommt uns entgegen in seinem Sohn Jesus Christus, durch den die Macht von Sünde, Angst und Tod überwunden ist. Aus seiner Vergebung können wir le- ben. Was gewesen ist, soll nicht mehr beschweren; was kommt, muss uns nicht schrecken. Gottes Gnade ist unseres Lebens Freude und Kraft.

 

Tagesgebet

Beten wir still zu Gott, in der Gewissheit, nicht vergeblich zu warten: – Stille –

Guter Gott, du hast uns die Sehnsucht ins Herz gelegt, damit wir auf dem Weg unseres Lebens vorankommen und nicht ste- hen bleiben. Schärfe in uns die Achtsamkeit für die Regungen unseres eigenen Herzens und das der anderen, damit wir spü- ren und tun, was uns dir näherbringt in Jesus Christus, un- serm Retter und Herrn.

 

Lesung

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

(Sacharja 9,9-10)

 

Hallelujavers

Halleluja.

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht.

Halleluja.

 

Lied: Tochter Zion

(EG 13) Text: Friedrich Heinrich Ranke (um 1820) 1826; Melodie und Satz:Georg Friedrich Hän- del 1747

 

1.Tochter Zion, freue dich, / jauchze laut, Jerusalem! / Sieh, dein König kommt zu dir, / ja er kommt, der Frie- defürst. / Tochter Zion, freue dich, / jauchze laut, Je- rusalem!
2.Hosianna, Davids Sohn, / sei gesegnet deinem Volk! / Gründe nun dein ewig Reich, / Hosianna in der Höh! / Hosianna, Davids Sohn, / sei gesegnet deinem Volk!
3.Hosianna, Davids Sohn, / sei gegrüßet, König mild! / Ewig steht dein Friedensthron, / du, des ewgen Vaters Kind. / Hosianna, Davids Sohn, / sei gegrüßet, König mild!

  

Meditieren  Sie  für  sich  oder  gemeinsam  die  gehörten Worte.

Lesen Sie sich die Worte noch einmal laut vor, die Sie heute besonders berühren.

  • Lesen Sie dazu vielleicht zuvor das Evangelium noch einmal insgesamt laut
  • Hören Sie den Worten im Schweigen
  • Teilen Sie miteinander oder schreiben Sie für sich auf, was dieses Wort bei Ihnen heute auslöst und für Sie heute so wichtig

–             Überlegen Sie, was das daraus für Ihr Handeln und Ihren Alltag folgt.

 

Gedanken und Denkanstöße

Ein neuer Herrscher, eine neue Hoffnung – ein neuer Anfang!

Völlig unabhängig vom „bürgerlichen Jahr“, am Übergang von Herbst zu Winter feiern Christen den Neustart. Das Kir- chenjahr beginnt seinen Kreis am Ersten Advent, und durch dieses Kirchenjahr begleiten wir Christus auf seinem Weg. Christus begleitet uns auf unserem Lebensweg.

Dieses Jahr ist Vieles anders. Lieb gewordene Traditionen zu Advent und Weihnachten können wir 2020 nur reduziert oder gar nicht begehen.

Feiern, gemeinsam Singen und Musizieren, Besuche, aber auch die Weihnachtsgottesdienste in den Grundschulen fallen aus. Der Rhythmus gerät aus dem Tritt. Das ist für viele traurig, und sicher wird so manchem von uns in den kommenden Wo- chen besonders bewusst, wie wichtig diese Zeit ist, die Begeg- nungen, die Rituale, die Vorbereitung auf das Fest.

– Was bedeutet die Adventszeit für Sie? Ist es noch Vorberei- tung auf Weihnachten, oder sind Sie in den letzten Jahren gar nicht mehr dazu gekommen? Was ist dieses Jahr anders?

Und doch steht auch dieses Jahr die (Vor-)Freude im Mittel- punkt der Adventszeit, besonders heute, am Ersten Advent. Passt das zusammen?

 

Die Zeilen aus dem Prophetenbuch Sacharja sind eingebun- den in ziemlich drastischen Darstellungen des Krieges. Das Volk Israel muss (wieder) um Freiheit, Land und Glauben kämpfen, und das wird ausführlich geschildert Doch mitten in diesem Chaos, dieser Unruhe und Verwirrung: Die Ankündi- gung des Friedenskönigs.

Der König kommt. Er bringt Frieden, Rettung und Gerechtig- keit. Mitten im Chaos, mitten ins Chaos. Womit er diesen Frie- den schaffen wird – wir wissen es nicht. Jedenfalls nicht mit Streitross und Kriegswagen. Auf einem Esel kommt er – ge- nauer: Auf einem Fohlen. Es ist wohl ein Kind, das da kommt. Dieser Friede muss etwas ganz Anderes sein als das, was wir nach Kriegen, Ehestreit, Konflikten in der Schule, mit Freun- den oder am Arbeitsplatz erleben. Denn da gibt es meistens Gewinner und Verlierer. Sieger und Besiegte. Würdevolle und Entwürdigte. Oben und unten. Der Konflikt ist vielleicht been- det, vorerst – aber ist das Frieden?

Der Friede, der hier mit dem König kommt, kennt das nicht. Braucht das nicht. Gott schickt diesen König ohne Zeichen der Macht – arm ist er, er hat keine Armeen hinter sich, und doch, oder gerade deshalb heißt es für das Volk Gottes: Freue Dich!

Die Vorfreude, die Verheißung, die Sehnsucht nach einem Frieden, bei dem jeder ein Gewinner ist, ohne Gewalt und Op- fer. Das ist die Botschaft des Advents. Und diese Hoffnung ist in einem Jahr des Chaos, der Unsicherheit und der vielen Ver- lierer doch erst Recht ein Grund zum Feiern!

Advent und Weihnachten werden anders als sonst sein. Es ist wichtig, das zu benennen und auch zu beklagen. Diese Zeit ist für viele Menschen eine große Last, das merke ich in der Ge- meinde und im Krankenhaus.

 

Wenn diese Last einen Sinn haben soll, dann vielleicht diesen: Die Botschaft vom kommenden Friedenskönig, klein, arm und wehrlos, bewusster zu hören. Und dem Gedanken eines Frie- dens nachzugehen, bei dem es nur Gewinner gibt. Vielleicht können wir die Adventszeit nutzen, schwelende Konflikte in unserem Umfeld in Ruhe anzusehen und anzugehen – einen Frieden zu suchen, wie Gott ihn für uns verheißt mit der An- kunft seines Sohnes. Anrufen, einen Brief schreiben, eine Geste der Vergebung oder Bitte um Vergebung, vielleicht auch um Hilfe bei der Vermittlung bitten.

Das könnte eine neue Adventstradition werden, und mit ihr kann die Botschaft dieser Zeit Kreise ziehen: Freue Dich!

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Fürbittengebet

Jesus Christus, du kommst arm und unscheinbar. Und doch bist du ein König, zu Recht mit Jubel begrüßt. Wir staunen und rufen dir zu:

Kyrie eleison.

Wir staunen; denn die größte Ehre ist bei dir, anderen zu die- nen, und wer dir so folgt, den wird dein Vater ehren. Wir rufen dir zu:

Kyrie eleison.

Wir staunen, denn deine Stärke liegt in der Zuwendung zu den Schwachen. Deine Macht besteht in der Liebe zu den Sündern. Wir rufen dir zu:

Kyrie eleison.

Wir staunen, denn du bist stark im Streit, weil du Streit schlichtest und Frieden schaffst, der anders ist, als was die Welt geben kann. Wir rufen dir zu:

Kyrie eleison

Wir staunen, dass wir nicht abseits stehen müssen, wenn du einziehst, sondern dass du gerade auch zu uns kommst. Wir rufen dir zu:

Kyrie eleison

Wir staunen und danken dir, Christus, in unserer Sehnsucht und bitten um Erfüllung in unseren Ungenügen und bitten um Beistand in unserer Gebrochenheit und bitten um Vollendung in unserem Versagen und bitten um Vergebung in unserer Ängstlichkeit und bitten um Mut in unserer Zwietracht und bitten  um  Versöhnung  in  unseren  Zweifeln  und  bitten  um

 

Zuspruch in unserer Wehmut und bitten um Trost. Wir rufen dir zu:

Kyrie eleison.

Wir staunen, denn du kommst, mit deiner Gerechtigkeit, die rettet, mit deiner Hilfe, die aufrichtet und heilt, mit deiner Sanftmut, die wohltut und zurecht bringt. Dir sei Ehre in Ewig- keit.

 

 

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne und behüte uns

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns Und sei uns gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf uns Und schenke uns Frieden.

So segne und behüte uns

Der gnädige und barmherzige Gott.

Der Vater + der Sohn + und der Heilige Geist + Amen

 

Pfarrer Dr. Benjamin Härte

 

 

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