Die Sonntage

Gedanken zum Epiphaniasfest (6. Januar) und zum Wochenspruch

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt“

(1.Johannes 2,8b)

„Finsternis lag auf der Tiefe“, so beschreibt der erste Schöpfungsbericht den Zustand vor Beginn der Schöpfung. In diese Finsternis dringt Sein Wort: „Es werde Licht“. Aus diesem Wort und diesem Licht heraus entsteht alles Lebendige, immer wieder neu. Eine großartige Dynamik ist das und wir selbst sind jeden Tag Teil davon.

Die Dynamik dieses „Licht-Worts“ braucht keine Gewalt um sich durchzusetzen. Nichts lässt das klarer erkennen als die Geburt des Christus: ein Neugeborenes voller Verletzlichkeit und Hilfsbedürftigkeit. Zärtliche Hände braucht es, nicht mordende Fäuste. Die Gewalt des „Finsterlings“ Herodes, all sein Toben und Wüten, führt nicht zum Ziel. Durch alle Wirren ihrer Zeit hindurch finden die Weisen vom Gotteslicht geführt den Weg zum Stall.

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint „jetzt“! Was für eine Zusage, angesichts der Dunkelheiten und Unsicherheiten, die wir in dieser Corona-Zeit um uns und in uns erleben. Es gilt die Zusage: Die Finsternis ist auf dem Rückzug, weil in Jesus Christus das „Licht der Welt“  Mensch geworden ist. Die neue Schöpfung hat begonnen, nichts wird sie aufhalten. Daran dürfen wir uns festhalten, trotz allem und in allem, was uns ängstigt.

Erfüllt zogen die Weisen wieder zurück in ihre Heimat. Das Licht ging mit ihnen. Wo immer wir leben, richten wir uns mit den Weisen aus nach dem Licht, das Gott in Jesus Christus in die Welt bringt. Immer wieder neu lassen wir sein Licht in unsere Dunkelheiten und Härten hinein leuchten, sie mehr und mehr ausleuchten und verwandeln. Ja, es bleibt eine stetige Übung, sich auf das Licht auszurichten. Es bedarf Achtsamkeit, um zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden, zwischen den vielen Lichtern und manchmal auch Irrlichtern das „wahre Licht“ nicht aus dem Blick zu verlieren. Und es braucht Zärtlichkeit, um der Spur unseres Herzens zu folgen. Denn nicht Gewalt sondern Zärtlichkeit und Mitleid führen uns zum Kind in der Krippe.

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt“

Zum Gotteslicht führt das Wort, das von diesem Kind erzählt. Worte können Licht werden. Das Wort der Heiligen Schrift will Licht für mein Leben sein,  Licht, das alle Ecken meines Seins, meines Fühlens und Handelns durchströmt.

Sein Licht lässt mich wachsen und immer mehr zu dem Menschen werden, den Gott schon heute in mir sieht.

 

 

 

Dr. Thomas Amberg

 

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