Rhein.-Westf.

Epiphaniaskonvent 2018

In den meisten Religionen sind Menschen auf der Suche nach einer unmittelbaren und persönlichen Begegnung mit Gott, dem Heiligen, der transzendenten Macht. Manchen gelingt es – wir nennen sie Mystiker und Mystikerinnen. Eine Mystikerin, mit der sich die etwa 30 Gäste und Brüder beim diesjährigen Epiphaniaskonvent in der Wasserburg Rindern in Kleve befasst haben, war die nordfranzösische Begine Marguerite Porete (hingerichtet 1310).

Auf lebendige und intensive Weise brachte uns die Bochumer Theologin und Romanistin Dr. Irmgard Kampmann nicht nur das zeitliche Umfeld – das ebenso bunte wie verstörende Mittelalter mit seinen vielfältigen religiösen Neuaufbrüchen – sondern auch das Leben und Werk der Mystikerin und Theologin zwischen Gottesliebe und Freiheit näher. Anhand ihres weit verbreiteten und einflussreichen Buches „Spiegel der einfachen Seelen“ erfuhren wir, wie eine „blitzartige“ Gottesbegegnung aussehen kann – mit allen wunderbaren, aber auch fragwürdigen Folgen. In einer Performance nahm Dr. Kampmann die Rolle der Marguerite ein, sodass wir sozusagen direkt ins Gespräch kommen konnten – über die Jahrhunderte hinweg. Besonders die Rolle der Schrift, der Kirche und v.a. Jesu Christi in der Theologie der hoch gebildeten Begine reizten zu teils kritischen Nachfragen.

In der Werktagsmesse am Samstag nach Meditation und Frühstück predigte Br. Ludewig über die Jahreslosung. In einer von Br. Löwe angeleiteten Bibelarbeit zum selben Bibeltext gingen wir dann abends in Kleingruppen Fragen nach wie „Wonach dürsten wir? Wonach die Menschen um uns? Was stillt den Durst, und was kann die Bruderschaft dazu beitragen?“ und tauschten unsere Beobachtungen und Erkenntnisse aus.

Der Sonntag begann mit der Feier der Laudes, einem geschlossenen Konvent und der Messe, in der Br. Mielke predigte. Mit dem Reisesegen endete ein Konvent, der viel Zeit für Begegnung und Gespräche bot – besonders mit den zahlreich anwesenden Gästen, die mit großem Interesse an Thema und Bruderschaft zugegen waren. Und sicher nahmen nach diesen Tagen gemeinsamen Lebens auch viele das Thema Mystik noch einmal anders wahr – als einen Weg des Glaubens und der religiösen Erfahrung, der heute nicht abseits oder gegen die Kirche, sondern mit und in ihr begangen werden kann.