Predigt Lk 8,4-15 Sexagesimä III

Liebe Gemeinde!

(1. Der Umgang mit Goftes Wort – das Handwerk der Christen)
Wir wenden uns langsam dem Osterfest zu. Auf dem Weg dahin prüfen wir unseren Glauben
und stellen uns grundlegende Fragen. Heute geht es um das „Wort Goftes“, also um biblische
Worte und ihre Bedeutung für unseren Glauben. Marfin Luther hat es als „Handwerk eines
Christen“ bezeichnet, mit der Bibel und dem Wort Goftes umzugehen. Und so tun wir es in
jedem Goftesdienst. Wir hören biblische Lesungen. Wir hören eine Predigt über ein biblisches
Wort. Wir singen geistliche Lieder, die durchtränkt sind von biblischen Worten und
Bildern. Das ist unser „Handwerk“, das sind unsere „Werkzeuge“. Und jeder Handwerker, der
sich übt im Umgang mit seinen Werkzeugen, wird immer bessere Ergebnisse damit erzielen.
Sicherlich schwingt dabei immer mit die Frage nach den „Ergebnissen“, nach der Wirkung des
Wortes Goftes – das ist ja das eigentlich Interessante. Der Prophet Jesaja richtet uns diesbezüglich
von Goft eine eindeufige Botschaft aus: „Denn gleichwie der Regen und Schnee vom
Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie
fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort,
das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen,
sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (56,11f) – Unser
heufiges Predigtwort stellt uns hierzu ein Gleichnis Jesu vor Augen. Ich lese aus dem Lukasevangelium
im 8. Kapitel:
4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach
er durch ein Gleichnis:
5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg
und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6 Und anderes fiel auf
den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchfigkeit hafte. 7 Und anderes
fiel miften unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und ersfickten’s. 8 Und anderes
fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hunderffach Frucht. Da er das sagte, rief
er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 10 Er aber sprach: Euch ist’s
gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Goftes, den andern aber ist’s gegeben in
Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen. 11
Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Goftes. 12 Die aber an dem Weg, das sind
die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit
sie nicht glauben und selig werden. 13 Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören,
nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben
sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 14 Was aber unter die Dornen fiel, sind
die, die es hören und gehen hin und ersficken unter den Sorgen, dem Reichtum und den
Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. 15 Das aber auf dem guten Land sind
die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
(2. Dreimal vergebliche Mühen und einmal Erfolg)
Man nennt es auch das Gleichnis vom „viererlei Acker“, weil hier viererlei „Bodensorten“ beschrieben
werden: der festgetretene Weg, der felsige Boden, der dornenbewachsene Boden und
das „gute Land“. Dabei zeigt sich, dass die damalige Praxis des Säens recht unbesorgt und großzügig
war. Da fiel eben auch etwas von dem ausgeworfenen Samen auf den Weg oder unters Gestrüpp.
Felsige Bodenanteile waren keine Seltenheit, und man konnte sie eben auch nicht einfach
erkennen. – In der Gleichnisdeutung sind das unter uns Menschen die „Hindernisse“. Predigen
und Bibellesen kann man; wenn jedoch andere Worte, die all das wieder infrage stellen, soviel
mehr Gewicht haben, dann verschwindet es eben wieder leicht, was man von Goft gehört hat. Es
bleibt keine Zeit dafür, es im Herzen zu bewegen, für sich selbst zu bedenken und daraus etwas
auf den weiteren Weg mitzunehmen. Man vergisst schnell. – Wenn man sich irgendwann einmal
kurzfrisfig von Goftes Wort beeindrucken lässt, sich nur am Leichten und Guten und Schönen
orienfiert, nicht bereit ist, auch in schwierigen Zeiten „dranzubleiben“, ja dann kann das auch bald
wieder vorbeisein. Unser Glaube bewährt sich in Anfechtungen, in Zeiten des Zweifels. Es ist eine
Frage der Treue. Gute Freunde gewinnt man auch nicht, wenn man sich beim ersten Streit gleich
wieder abwendet. Menschliche Reife hat etwas mit der „Wurzel“ zu tun, die sich im Boden verankert,
mit der man auch Dürrezeiten zu überstehen vermag. – Und ebenso zeigt sich die Wirksamkeit
eines Glaubens am Umgang mit Sorgen und Ängsten. Wenn ich den Ängsten immerzu den
Vorrang lasse, dann wird kein Gofteswort mich wirklich erreichen können. Denn dazu müsste ich
meinem Vertrauen zu Goft und seiner Botschaft mehr Platz einräumen. Gerade in unserer seltsamen
Pandemiezeit ist nichts leichter, als ständig den Ängsten nachzugeben. Sicherlich, es ist eine
unsichtbare Bedrohung mit Infekfionsgefahr. Und trotzdem ist es ein Unterschied, ob ich dort, wo
nöfig, eine Maske trage und dennoch mich mit Zuversicht bewege, oder ob ich hinter meiner Maske
jeden und alles nur als mögliche Bedrohung wahrnehme. Wieso eigentlich sollte Jesus uns
nicht in diesen Zeiten auch einen „Infekfionsschutz“ verleihen, wo er doch so viele Menschen
sogar geheilt hat … ?
In der Aufzählung kommt zum Schluss das „gute Land“. Hier kommen die ausgeworfenen
Samenkörner zu ihrem Ziel. Hier verbinden sie sich mit der Erde, schlagen Wurzeln und bringen
Frucht, hunderffach. – Der Erzählungsverlauf des Gleichnisses bringt den Eindruck, dass die meiste
Arbeit umsonst sei. Erst im vierten Anlauf gelingt das Eigentliche. Und doch macht die gute Frucht
am Ende alles andere vergessen, und ist offensichtlich ausreichend.
(3. Das Bestellen des Bodens bleibt wichfig!)
Die Wurzeln der Früchte auf dem guten Land haben etwas zu tun mit unserem Vertrauen in Goft
und mit menschlicher Reife. Dazu gehört die Demut der Einsicht, dass wir nicht alles machen können,
dass wir nicht alles „im Griff“ haben, dass das menschliche Leben zerbrechlich und verwundbar
ist, dass wir angewiesen sind auf eine Gnade Goftes. Ohne diese Einsicht keine Frucht. Und
mit dieser Einsicht: Vertrauen in den Segen Goftes, der seit Menschengedenken auf der Erde
wirkt. Grundvertrauen in das Leben, das so fantasfisch eingerichtet ist, dass es schließlich auch
einem Virus Einhalt gebieten wird. Es wäre nicht die erste weltweite Krankheitswelle, die die
Menschheit wieder überwindet.
Und es steckt noch eine Botschaft in diesem Gleichnis. Unsere Arbeit in der Kirche ist nicht vergeblich. Es bleibt auch weiterhin wichfig, den Boden zu bestellen, sich die Mühen des
Arbeitens und Säens zu machen. Es bleibt wichfig, das Wort Goftes verlauten zu lassen, Goftesdienste
zu feiern, sich taufen zu lassen, Bibeln zu drucken, biblische Worte und Geschichten und
Bilder in das menschliche Leben einzubringen und mit ihnen umzugehen, Früchte wachsen zu
lassen und sie zu ernten. Die Kirche ist seit Generafionen von Menschen ein Bestandteil des gesellschaftlichen
Lebens und sie soll es weiterhin bleiben. Unser Jahresrhythmus und alle wichfigen
Feste ranken sich darum – Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank. Es wird darauf ankommen,
dies alles mit Leben zu füllen und nicht allein als Ferienzeiten wahrzunehmen, in denen man Urlaube
plant. Goft hat uns etwas zu sagen und wir sollen es hören. Kirche kann sich nicht erschöpfen
in einer Mitgliedschaft, die man irgendwann einmal – meist durch das Handeln der Eltern –
eingegangen ist und vielleicht später irgendwann als läsfigen „Kostenfaktor“ wieder abschüftelt.
Wir sind eine lebendige Gemeinde aus Menschen, die Goft die Ehre geben. So wachsen die Früchte,
von denen hier die Rede ist. Und diese Früchte kommen ja uns selbst und unserem Lebenslauf
zugute.
Bleiben wir dran, liebe Gemeinde! Bestellen wir das „gute Land“! Es wird sich auch weiterhin
lohnen!

Amen.

Pfarrer Christoph Thiele

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