Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis

„Lebt als Kinder des Lichts;
die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“

Epheser 5,8b.9

EG 444 ‚Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne‘
1. Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht.
Der Morgen sich zeiget, die Röte aufsteiget, der Monde verbleicht.

2. Nun sollen wir loben den Höchsten dort oben, dass er uns die Nacht
hat wollen behüten vor Schrecken und Wüten der höllischen Macht.

3. Kommt, lasset uns singen, die Stimmen erschwingen, zu danken dem Herrn.
Ei bittet und flehet, dass er uns beistehet und weiche nicht fern.

4. Es sei ihm gegeben mein Leben und Streben, mein Gehen und Stehn.
Er gebe mir Gaben zu meinem Vorhaben, lass richtig mich gehn.

5. In meinem Studieren wird er mich wohl führen und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen zu meinem Beginnen und öffnen die Tür.

Psalm 50 (726)
Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu *
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. *
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Fressendes Feuer geht vor ihm her *
und um ihn her ein mächtiges Wetter.
Er ruft Himmel und Erde zu, *
daß er sein Volk richten wolle:
»Versammelt mir meine Heiligen, *
die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.«
Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit
verkünden; *
denn Gott selbst ist Richter.
Opfere Gott Dank *
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde
und rufe mich an in der Not, *
so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.«
Wer Dank opfert, der preiset mich, *
und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.«
Ehr sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetz und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Gebet
Herr Jesus Christus, Du hast Deine Gemeinde berufen, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Wir bitten Dich: Erwecke uns aus aller Trägheit und mach uns bereit, dir zu dienen und deinen Namen zu bezeugen. Der du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

1. Korintherbrief 6, 9-14+18-20
9 Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10 Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.
11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. 13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber ist nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib.
14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.
18 Hütet euch vor der Unzucht! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

Predigt
Meine Güte, liebe Gemeinde, da geht’s aber ab: „Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer und Räuber – Und solche sind einige von euch gewesen.“
Da traut man sich ja kaum die Predigthörer anzusehen, wenn am diese Aufzählung vorliest. Was war denn das für eine Gemeinde in Korinth, die Paulus so anspricht? Damit können wir doch unmöglich gemeint sein.
Korinth war tatsächlich eine brodelnde, verruchte Handels- und Hafenstadt, mit ausgeprägtem Nachleben, Rotlichtviertel, Glücksspiel, Unterwelt, Gelagen und Orgien und allem, was man sich an Ausschweifungen vorstellen kann.
Und tatsächlich ist anzunehmen, dass nicht wenige der Gemeindeglieder in Korinth aus diesem Milieu stammten. Denen will Paulus nun mit aller Schärfe deutlich machen, dass der Lebenswandel für Christen nicht gleichgültig ist.
Die Christen damals in Korinth – und ich glaube, auch uns sind diese Gedanken nicht fremd – meinten, sie könnten haarscharf unterscheiden zwischen Religiösem und Profanem, zwischen Dingen des Alltags und Dingen, die mit Gott zu tun haben, zwischen Leib und Seele. Sie meinten, Essen und Trinken sind Sache des Leibes; sexuelle Bedürfnisse stillt man wie Hunger und Durst; Geld und Besitz und Reichtum kann man sammeln und vermehren wie andere Sachen.
Gott, Religion und Glaube, das sind Angelegenheiten der Seele, die haben mit dem Körper, mit dem Leib, mit dem Äußerlichen des Lebens nichts zu tun, die berühren die alltäglichen Bedürfnisse nicht; und das äußerliche Verhalten, den Umgang mit den leiblichen Bedürfnissen muss man ihretwegen auch nicht verändern oder einschränken. Das eine ist Sache des Leibes, das andere ist Sache der Seele, so meinten sie damals in Korinth.
Auch wenn wir in den meisten Fällen keine korinthischen Verhältnisse haben heutzutage in unseren Gemeinden – das Thema bleibt:
Die Trennung von Leib und Seele, von außen und innen, von Geistlichem und Weltlichen ist uns heute noch genauso geläufig: Der Glaube, die Kirche, Gott: das ist was für die Innerlichkeit. Das alltägliche Leben mit seinen Bedürfnissen und Notwendigkeiten ist doch was anderes und hat damit eigentlich nichts zu tun. Die Korinther folgerten daraus die Parole: „Es ist alles erlaubt!“ und lebten auch als Christen weiter so, wie es alle in ihrer Umwelt taten.
Bei uns sind die Verhältnisse nicht mehr so wüst, aber grundsätzlich verhalten wir uns häufig genauso: wir denken und reden und leben, wie es alle tun und machen uns kaum Gedanken darum, ob unser Glaube, unsere Frömmigkeit nicht auch Folgen haben müsste für unseren Leib, für das Äußerliche, für das Alltägliche, das Verhalten in und gegenüber unserer Umgebung.
Dagegen setzt Paulus ganz klar und mit – auch für damalige Verhältnisse – sehr deutlichen Worte seine Überzeugung: der ganze Mensch gehört Gott!!
Christsein mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit seinem Inneren und seinem Äußeren und in allen seinen Lebensbereichen – darauf kommt es Paulus in seinen drastischen Sätzen aus dem ersten Brief an die Korinther an. Kein Teil im Leben der Christen, keine Kleinigkeit ihres Alltags und auch kein Stück ihres Privatlebens hat nicht auch was mit ihrem Glauben zu tun. Der ganze Mensch gehört Gott!
Der Mensch darf nicht getrennt werden in seine verschiedenen Bereiche. Der Mensch ist ein Ganzes, eine Einheit von Leib, Seele und Geist. Der Mensch hat nicht einen Leib und hat nicht eine Seele, die er je und je zurückstellen und vernachlässigen könnte, sondern er ist Leib, er ist Seele und er ist Geist, untrennbar zusammengehörig.
Weil Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, weil er selbst Fleisch und Blut angenommen und damit an unserem leiblichen Leben Anteil gewonnen hat, darum ist auch unser Leib in den Glauben, in die Beziehung zu Gott, in das Christusgeschehen mit einbezogen.
Christus war Mensch mit Leib und Seele, nicht nur ein geistiges Wesen, sondern ein echter Mensch. Er wurde geboren, wie Menschen geboren werden (es wird in der Weihnachtsgeschichte ausdrücklich von den Windeln erzählt), er hat gegessen und getrunken, er hat geweint und gelacht, er hat geschlafen, er hat Schmerzen gespürt und er ist schließlich gestorben. Und dann – und das betont Paulus besonders – ist er leiblich auferstanden. „Auch der Leib ist für den Herrn da und der Herr für den Leib. Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.“
Bei der Auferstehung geht es nicht um eine unsterbliche Seele, sondern Gott hat Christus mit seinem Leib, mit seinem gefolterten, geschundenen und blutigen Leib auferweckt und ihm neues, unvergängliches Leben geschenkt. Und auch wir werden auf wunderbare, unvorstellbare Weise mit unserem Leib, mit einem verwandelten Leib auferstehen. Das Reich Gottes wird kein Reich von Geistern und Gespenstern sein, sondern eine Welt der erlösten Kreatur, eine neue Schöpfung, zu der auch die Leiblichkeit, wenn auch in neuer, verwandelter Form, ohne Leid und Not und Krankheit und Tod gehören wird.
Und schließlich und endlich ist Christus auch heute unter uns nicht nur geistig gegenwärtig, nicht nur in der frommen Seele, sondern auch leiblich, real, gegenständlich in Brot und Wein des Abendmahls: „Das ist mein Leib und das ist mein Blut!“
Der ganze Mensch mit Seele und Leib, mit seiner Schönheit und Stärke, aber auch mit seiner Gebrechlichkeit und Schwäche ist von Gott geheiligt und angenommen. Der ganze Mensch gehört Gott!
„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ Paulus fordert Verantwortung für unser ganzes Leben, innerlich und äußerlich. Er mutet uns etwas zu, was sich die Gesellschaft aber auch die Christen heute nicht gerne zumuten lassen: dass es keinen Bereich unseres Lebens gibt, den wir nicht vor Gott verantworten müssten und der nicht auch etwas mit unserem Glauben zu tun hätte. Der Umgang mit der Natur, die Ehe, die Sexualität, der Leib mit Freude und Leid, mit Genuss und Krankheit, das Essen und Trinken, das Feiern, die Arbeit, die Erholung, all das sind keine Privatsachen. Es gibt im Verhältnis zum Glauben keine Privatsachen; es gibt nichts, was mit Gott nichts zu tun hätte. Das ist eine ungeheure Aufwertung, eine Heiligung unseres Lebens mit Leib und Seele; eben keine Verachtung der Leiblichkeit, wie man sie dem Christentum immer wieder gerne einmal unterstellt. Das ist zugleich aber auch ein ungeheurer Anspruch an unsere Verantwortung.
Mit allem bezeugen Christen ihren Glauben, auch mit all den sichtbaren Dingen ihres Alltags – oder sie bezeugen ihn eben nicht, wenn sie in diesen Dingen nicht glaubwürdig sind.
Wir sind „das Salz der Erde und das Licht der Welt“, wie es im Evangelium dieses Sonntag heißt. Das können wir nur sein, wenn wir uns nicht zerteilen, sondern mit unserem ganzen Leben für unseren Glauben einstehen. Denn „Ihr seid teuer erkauft, darum preist Gott mit eurem Leibe“, mit allem, was Ihre seid und habt, mit Eurem ganzen Leben.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

EG 262 ‚Sonne der Gerechtigkeit‘
1. Sonne der Gerechtigkeit,
gehe auf zu unsrer Zeit;
brich in deiner Kirche an,
dass die Welt es sehen kann.
Erbarm dich, Herr.

2. Weck die tote Christenheit
aus dem Schlaf der Sicherheit,
dass sie deine Stimme hört,
sich zu deinem Wort bekehrt.
Erbarm dich, Herr.

3. Schaue die Zertrennung an,
der sonst niemand wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt,
alles, was sich hat verirrt.
Erbarm dich, Herr.

4. Tu der Völker Türen auf;
deines Himmelreiches Lauf
hemme keine List noch Macht.
Schaffe Licht in dunkler Nacht.
Erbarm dich, Herr.

5. Gib den Boten Kraft und Mut,
Glauben, Hoffnung, Liebesglut,
und lass reiche Frucht aufgehn,
wo sie unter Tränen sä’n.
Erbarm dich, Herr.

6. Lass uns deine Herrlichkeit
sehen auch in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft suchen,
was den Frieden schafft.
Erbarm dich, Herr.

7. Lass uns eins sein, Jesu Christ,
wie du mit dem Vater bist,
in dir bleiben allezeit
heute wie in Ewigkeit.
Erbarm dich, Herr.

Fürbitten
Wir bitten dich, Gott, um deinen Segen für deine Gemeinde in allen Teilen der Erde. Leuchte du selbst in unserem Tun und Lassen, dass wir mit allen, die Christus folgen, Licht der Welt und Zeugen seiner Liebe werden.

Wir bitten um deinen Segen für die Gemeinschaft der Staaten und alle, die in ihnen Verantwortung tragen. Stärke sie mit Weisheit und Mut, dass ihren Worten Taten der Gerechtigkeit folgen, dass sie die Würde des Menschen achten und geduldig für den Frieden wirken.

Wir bitten um deinen Segen für die Glücklichen und Erfolgreichen. Lehre sie in ihrer Leistung deine Gaben zu erkennen, dass sie dir danken und sich der Schwächeren annehmen.

Wir bitten um deinen Segen für die Leidenden und die Müden. Gib ihnen neue Kraft und neue Zuversicht, dass sie nicht in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ersticken, sondern in Geduld und Hoffnung ihr Schicksal meistern.

Wir bitten um deinen Segen für unser eigenes Leben und Sterben. Lass uns reifen in beständigem Glauben und fröhlicher Liebe, bis wir mit allen Vollendeten dich schauen in ewiger Freude.

All das bitten wir, im Vertrauen auf Jesus Christus, unsern Bruder und Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Vater unser …

Segen
Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Pfr. Andreas Bollengraben

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