Gottesdienst für den 3. Sonntag nach Trinitatis

Ich entzünde eine Kerze und werde still.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gemeinsam feiern wir Gottesdienst zuhause an unseren Tischen und versammelt in der Kirche. Wir bitten:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus Und die Liebe Gottes
Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Amen.

Wochenspruch
Der  Menschensohn  ist  gekommen,  zu  suchen  und  selig  zu machen, was verloren ist.

(Lukas 19, 10)

Lied: Tut mir auf die schöne Pforte (EG 166)
Text: Benjamin Schmolck 1734; Melodie: Joachim Neander 1680, Darmstadt 1698

1.

Tut mir auf die schöne Pforte, / führt in Gottes Haus mich ein; / ach wie wir an diesem Orte / meine Seele fröhlich sein! / Hier ist Gottes Angesicht, / hier ist lauter Trost und Licht.

2.

Ich bin Herr, zu dir gekommen, / komme du nun auch zu mir. / Wo du Wohnung hast genommen, / da ist lauter Himmel hier. / Zieh in meinem Herzen ein, / lass es deinen Tempel sein.

6.

Rede, Herr, so will ich hören, / und dein Wille wird erfüllt; / nicht lass meine Andacht stören, / wenn der Brunn des Lebens quillt; / speise mich mit Himmelsbrot, / tröste mich in aller Not.

 

Psalm 103

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht,
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen

 

Eingeständnis

So vieles kann zwischen uns stehen und uns hindern, einander anzunehmen: Gleichgültigkeit, Vergleiche, Eifersucht, Vorurteile, böse Worte, Verletzungen, Gerüchte, Unterstellungen. Wir ahnen auch, wie schwer es andere mit uns haben können. So bitten wir Gott, dass wir nicht stecken bleiben in dem, was war, sondern hinfinden zu einem neuen Miteinander im Geist Jesu Christi:

 

Pfingst-Kyrie (EG 178.8)
Text: Maria Luise Thurmair 1974; Melodie: Herr, erbarme dich EG 178.5

 Liturg:

Send uns deinen Geist, der uns beten heißt,

Alle:

Herr, erbarme dich.

Liturg:

Lass uns als Waisen nicht, zeig uns des Trösters Licht,

Alle:

Christus, erbarme dich.

Liturg:

Dass das Herz entbrennt, deinen Weg erkennt,

Alle:

Herr, erbarme dich.

  

Zuspruch

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Welch ein Grund, Gott zu loben!

 

Gott in der Höh sei Preis und Ehr (EG 180.2)
Text: Ökumenische Fassung 1971 nach dem Gloria in excelsis Deo 4.Jh.; Melodie: Augsburg 1659

Gott in der Höh sei Preis und Ehr, / den Menschen Fried auf Erden. / Allmächt’ger Vater, höchster Herr, / du sollst verherrlicht werden. / Herr Jesus Christus, Gottes Sohn, / wir rühmen deinen Namen; / du wohnst mit Gott dem Heilgen Geist / im Licht des Vaters.
Amen.

Tagesgebet

Beten wir in der Stille zu Gott, dessen Güte uns umkehren lässt:
Stille
Jesus Christus, du willst nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht. Du achtest auf uns, auch wenn wir uns entfernt haben von dir. Viel mehr als wir dich suchen, bist du auf der Suche nach uns. Wir vertrauen dir, dass du uns nicht verloren gibst. Dir sei Dank, jetzt und alle Tage und in Ewigkeit.

Halleluja.
Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Halleluja.

Evangelium

1Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

3Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

8Oder   welche    Frau,    die    zehn    Silbergroschen    hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

(Lukas 15, 1-10) 

Lied: Meine enge Grenzen (EG 600)
Text: Eugen Eckert 1981; Melodie: Winfried Heurich 1981

1.

Meine engen Grenzen, / meine kurze Sicht bringe ich vor dich. / Wandle sie in Weite: / Herr, erbarme dich.

2.

Meine ganze Ohnmacht, / was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. / Wandle sie in Stärke: / Herr, erbarme dich.

3.

Mein verlornes Zutraun, / meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Wärme: / Herr, erbarme dich.

4.

Meine tiefe Sehnsucht / nach Geborgenheit bringe ich vor dich. / Wandle sie in Heimat: / Herr, erbarme dich.

 

Predigtgedanken

Vielleicht mussten Sie diese Erfahrung ja auch einmal machen: Als Kind mit den Eltern unterwegs – und plötzlich sind sie verschwunden. Ganz alleine stehen Sie da, umgeben von großen, fremden Menschen. Verlassen, verloren, überfordert. Kein Wunder, dass viele Kinder in so einer Situation anfangen zu weinen. Und auf die Frage wohlmeinender Erwachsener, wie denn die Mutter heißt, wissen die Kleinen oft auch nur eine Antwort: „Mama!“. Denn nur sie kann jetzt die Rettung bringen.

– Können Sie sich an so eine Situation erinnern? Als Sie ein Kind waren, oder auch wenn Ihr eigenes Kind verloren gegangen ist? Wie haben Sie sich damals gefühlt, als Kind? Als Elternteil?

Ein Gefühl, das wir als Erwachsene überwunden haben? Mit Sicherheit nicht. Mir selbst sind solche Situationen jedenfalls gut bekannt, nachts, in unbekannter Gegend auf der Suche nach einer Haltestelle oder einer Adresse. Zum Verzweifeln kann das sein. Und auch sonst im Leben ist das Gefühl des Verlorenseins,  des  Verlassenseins  sicher  nichts,  worunter „nur“ Kinder leiden.

Menschen drohen sich zu verlieren im Dickicht von immer höheren Anforderungen durch die Arbeit, aber auch durch die Freizeit. Durch ein Übermaß an wahren und falschen Informationen, Unterhaltung, Auswahl, Entscheidungen. Verloren in der Überforderung durch eine komplexe Welt, in der um Aufmerksamkeit, Geld und Zeit gebuhlt wird. Verloren, Alleingelassen, getrennt von uns selbst, getrennt von Gott?

Lukas erzählt im 15. Kapitel seines Evangeliums Gleichnisse vom Verlorenen – ein Schaf und ein Geldstück, es schließt sich die bekannte Geschichte vom verlorenen Sohn an, die heute lieber „Der barmherzige Vater“ genannt wird. Zwei Dinge betont  der  Evangelist,  die  für  uns  auf  so  vielfache  Weise „Verlorene“ tröstlich und ermutigend sein können:

Zum Einen: Wir werden gesucht! So wie das Schaf in der Wüste oder der Groschen unter dem Sofa. Sowie das Kind im Supermarkt. Es ist jemand da, dem es nicht egal ist, dass wir uns verloren haben. Sondern dem wir wertvoll sind – so wertvoll, dass er alles Mögliche und Unmögliche anstellt, um uns, gerade und genau uns zu finden. Aus der Sackgasse, aus der Einsamkeit, aus der Bedrohung zurückzuholen. Weil wir ihm so wichtig sind.

Zum Anderen: Wer verloren geht und wiedergefunden wird, wird nicht bestraft – sondern es ist ein Grund zur Freude, zum Feiern! Sicher, nicht selten liegt es auch an uns, ist es unsere „Schuld“, oder liegt die Verantwortung bei uns, dass wir unser Zentrum aus den Augen verlieren, uns verlieren oder vom Weg abbringen lassen. Das kann auch nicht anders sein, denn wir sind Menschen – vernünftig und verantwortlich, aber eben auch anfällig und schwach. Strafe hilft hier nicht weiter und ist nicht Gottes Wille, das zeigt uns Jesus in seinem Umgang mit „Zöllnern und Sündern“ (denen er ja diese Gleichnisse erzählt) immer wieder. Vielmehr: Umkehr ist möglich! Sich finden lassen ist möglich! Immer wieder, weil es immer wieder nötig ist. Für uns Christen ist diese Möglichkeit in der Taufe grundgelegt, zu ihr kehren wir immer wieder zurück, wenn wir erkennen, dass wir uns verrannt haben. Rückkehr zur Taufe

war für die Reformatoren eine Kernbotschaft. Durch die Feier des Abendmahls, wenn wir uns wieder mit Christus verbinden, und durch die Beichte als Möglichkeit, sich Schuld von der Seele zu reden und den Zuspruch Gottes an sich zu erfahren: Ich suche Dich, ich lasse Dich nicht allein, denn ich liebe Dich und gebe Dich niemals verloren.

  

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (freiTöne 71)
Text: Hans-Jörgen Netz 1979; Melodie: Christoph Lehmann 1979 

1.

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refrain.

Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden!

2.

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede. Ehre sei Gott…

3.

Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt damit ich atme. Ehre sei Gott…

Fürbittengebet

Du großzügiger Gott, wir danken dir; aus deinen Händen empfangen wir alles. Wir bitten dich für die, die dem morgigen Tag mit Sorge entgegen sehen, die nicht wissen, was sie morgen essen werden, die keinen Platz für die Nacht haben, die um ihr Leben und das ihrer Kinder fürchten. Die nur noch hoffen können. Du bleibst treu.
Erhöre uns.

Du geduldiger Gott, wir danken dir; du willst, dass alle deine Güte erkennen. Wir bitten dich für die, die Verantwortung für das Ergehen anderer tragen, die über die Zukunft von Staaten und Völkern entscheiden, die das Meinen und Denken anderer beeinflussen, die  über andere richten und deren Worte Gewicht haben. Du bleibst treu.
Erhöre uns.

Du gnädiger  Gott, wir  danken dir; du vergibst, wo wir scheitern. Wir bitten dich für die, die andere hassen, die Kriege führen, die am Elend anderer verdienen, die die Armen verachten. Für uns, die so gerne gut wären. Du bleibst treu.
Erhöre uns.

Du barmherziger Gott, wir danken dir; du öffnest deine Arme und bist für uns da. Wir bitten dich für die Kranken und alle, die sie pflegen, für die Sterbenden und alle, die sie begleiten, für die Trauernden und alle, die sie trösten. Für alle, die sich nach Frieden und Glück sehnen. Du bleibst treu.
Erhöre uns.

Du heiliger Gott, wir danken dir; du wartest darauf, dass wir deinen Ruf hören. Wir bitten dich für deine weltweite Kirche, für die, die dich hören und aufbrechen, für unsere verfolgten und flüchtenden christlichen Geschwister, für unsere Kinder. Für unsere Gemeinde und alle, die uns anvertraut sind. Du bleibst treu.
Erhöre uns.

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns
heute Und vergib uns unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit In Ewigkeit.
Amen.

 

Segen

Gott segne und behüte uns

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns Und sei uns gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf uns Und schenke uns Frieden.

So segne und behüte uns

Der gnädige und barmherzige Gott.

Der Vater + der Sohn + und der Heilige Geist + Amen

 

Lied: Nun aufwärts froh den Blick gewandt (EG 394)
Text: August Hermann Franke 1889; Melodie: Nun danket all und bringet Ehr (EG 322) 

1.

Nun  aufwärts froh den Blick gewandt / und vorwärts fest den Schritt! / Wir gehen an unsers Meisters Hand,

/ und unser Herr geht mit.

2.

Vergesset, was dahinten liegt / und euern Weg beschwert; / was ewig euer Herz vergnügt, / ist wohl des Opfers wert.

3.

Und was euch noch gefangen hält, / o werft es von euch ab! / Begraben sei die ganze Welt / für euch in Christi Grab.

4.

So steigt ihr frei mit ihm hinan / zu lichten Himmelshöhn. / Er uns voraus, er bricht uns Bahn – / wer will ihm widerstehn?

5.

Drum aufwärts froh den Blick gewandt / und vorwärts fest den Schritt! / Wir gehen an unsers Meisters Hand,

/ und unser Herr geht mit.

 

Pfarrer Dr. Benjamin Härte

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