Gottesdienst am Sonntag Okuli

Wer seine Hand an den Pflug legt
und sieht zurück, der ist nicht geschickt
für das Reich Gottes.

Lk 9,62

 

PSALM

(2. Ton)

Die Augen des HERRN merken auf die Ge|rechten *
und seine Ohren auf |ihr Schreien.

Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die |Böses tun, *
dass er ihren Namen ausrotte von |der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der |HERR *
und rettet sie |aus ihrer Not.

Der HERR ist nahe den zerbrochenen |Herzen, *
und hilft denen, die den Mut |verlieren.

Der HERR erlöst das Leben seiner |Knechte, *
und alle, die auf ihn trauen, wer|den frei von Schuld.

Ehre sei dem Vater und dem |Sohn *
und dem Hei|ligen Geist.

Wie im Anfang, so jetzt und |allezeit *
und in Ewig|keit. Amen.

 

 

ZUM KYRIE

Herr Jesus Christus, du bist vom Vater gekommen, die gefallene Welt zu erlösen;
wir beten dich an: K/G Kyrie eleison

Du bist ohne Sünde und trägst unsere Schuld,
du bist Gottes Sohn und stellst dich an unsere Seite;
wir beten dich an: K/G Christe eleison

Durch deine Hingabe öffnest du uns den Weg zum Leben;
wir beten dich an: K/G Kyrie eleison

 

 

TAGESGEBET

Barmherziger |Gott, du siehst an, die gebeugt sind von |Schuld und Leid. / Wir bit|ten dich: Höre auf unser Rufen und strecke deine mächtige Hand aus uns zu schützen |vor dem Bösen. / Wir bitten durch Jesus Christus, deinen |Sohn, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und regiert in |alle Ewigkeit. / Amen.

 

 

EVANGELIUM

Lukas 9, 57-62

Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

 

WOCHENLIED  

 

Jesu, geh voran / auf der Lebensbahn! / Und wir wollen nicht verweilen, / dir getreulich nachzueilen; / führ uns an der Hand / bis ins Vaterland.

Soll’s uns hart ergehn, / lass uns feste stehn / und auch in den schwersten Tagen / niemals über Lasten klagen; / denn durch Trübsal hier / geht der Weg zu dir.

Rühret eigner Schmerz / irgend unser Herz, / kümmert uns ein fremdes Leiden, / o so gib Geduld zu beiden; / richte unsern Sinn / auf das Ende hin.

Ordne unsern Gang, / Jesu, lebenslang. / Führst du uns durch rauhe Wege, / gib uns auch die nöt’ge Pflege; / tu uns nach dem Lauf / deine Türe auf.

 

 

PREDIGT

Epheser 5, 1-2, 8-9

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat

und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. … Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Im Namen des Vaters + und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In der Passionszeit denken wir nach über das christliche Leben und über die Nachfolge. Viele Menschen erwarten jetzt von den Predigten praktische Lebens- und Glaubenshilfe.

Der Epheserbrief entfaltet mit hohen Begriffen ein praktisches Programm: Liebe, Hingabe und Opfer nach dem Vorbild Christi.

Vermeiden wir in der Passionszeit Laster und Sünden, so wenden wir uns von der Dunkelheit zum Licht und erwarten Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Aber wie kann eine solche Lebens- und Glaubenspraxis gelingen?

Ich bin sicher, nicht durch Belehrung, nicht durch Ermahnung, schon gar nicht durch Druck oder Drohung.

Ich sehe Menschen vor mir, die Sehnsucht danach haben, dem Herrn Jesus Christus zu folgen.

Da sind Menschen, die nicht nur Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe e r w a r t e n , nein sie wollen sie selber ganz praktisch l e b e n und geben.

Wie im Evangelium sagen sie auch heute:

„Herr ich will dir folgen“

Wer das schlechte Gewissen oder die Scham als Motor für die ersehnte Lebens- und Glaubenspraxis einsetzt, hat schon verloren. Er wird nicht zu Licht und Liebe kommen, sondern zum Krampf.

Wie kann uns die praktische Nachfolge gelingen?

Mit meiner Antwort interpretiere ich den ersten Halbsatz unseres Predigttextes.

„Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe“

Ich sage:

Die Praxis des Christentums kann nur gelingen durch Theorie.

Die ganze Passionszeit bis zur Auferstehung nehme ich als Bestätigung dafür: Die Praxis des Christentums kann nur gelingen durch Theorie.

Theorie heißt hier aber nicht Abstraktion.

Theorie meint hier nicht etwas kompliziertes und abgehobenes, fern der Realität – eben „rein theoretisch“.

Im griechischen Wort theoria steckt „theos“ (Gott) und „horao“ (schauen) und so meint die Theorie, um die es mir geht, nichts anderes als G o t t e s s c h a u.

„Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe“

Dein praktisches Christentum, deine Nachfolge wird nur gelingen, wenn du auf Gott und Christus schaust, wenn du ihn wahrnimmst und zu Herzen nimmst, was sich dir bei Gott und Christus z e i g t.

In der Schule kannst du Ethik als Ersatz für Religion wählen. Vielen Christen sind Gott und der Glaube gleichgültig geworden, stattdessen wollen sie nach christlichen Werten leben.

Das praktische Christentum, die christliche Ethik gelingt aber nur, wenn du dir Zeit und Raum nimmst, auf Gott und Christus zu schauen: Nimm wahr, was sich da zeigt und lass dich prägen von dem, was du bei Gott und Christus s c h a u s t . Die Passionszeit bietet dir das an.

Liebe, Hingabe, Opfer, Barmherzigkeit, Verzeihen und was immer praktisch wichtig ist „schaust“ du, wenn du auf Gott und Christus schaust. Das ist theoria, Gottesschau.

Nur wenn du das alles bei Gott schaust, kann es deine Lebens- und Glaubenspraxis prägen. Dabei geht es nicht darum, dir mal schnell was „abzuschauen“. Nein, es geht erstmal ganz absichtslos und lange Zeit darum, zu schauen.

Da bist da als erwachsener Mensch immer noch wie ein Kind, das nachahmt, was es eine Kindheit lang bei seinen Eltern gesehen hat.

Paul Gerhard legt uns die Worte in den Mund:

„Dem Herren musst du trauen, wenn dir‘s soll wohlergehn;

auf sein Werk musst du … s c h a u e n,

wenn dein Werk soll bestehn.“

Auf Gott schauen, das wahrnehmen, was Gott uns in seiner Zuwendung zeigt, die sichtbare Seite des unsichtbaren Gottes betrachten erwägen bedenken

das ist nach der Glaubenserfahrung der Christenheit der wichtigste Ratschlag, den man geben muss und der erste Ratschlag, wenn ein Mensch fragt: wie soll ich als Christ leben.

Alle anderen Ratschläge, die auch wichtig sind, bleiben wertlos, werden ihren Segen nicht entfalten, wenn du nicht gelernt hast, auf Gott zu schauen und auf Christus.

Nehmen wir uns also in der Passions- und Osterzeit ohne schlechtes Gewissen und ohne ethischen Handlungsdruck Zeit dazu!

Als Luther nicht aus noch ein wusste, als er verzweifelte daran, dass ihm das ersehnte Leben als Mönch keine Erfüllung brachte, gab sein Seelsorger ihm einen Rat: Er sagte nicht „lies mehr in der Bibel“ er sagte nicht „bete

mehr“ oder „diene den Armen“. Er sagte: „Schaue Christum

an“. Lass dich davon prägen, wie Christus sich dir zeigt.  Zu einfach wäre es, wenn man primitiv protestantisch sagt:

„Gott ist unsichtbar. Also gibt es keine Gottesschau, sondern nur das Hören auf Gott.“

„Jesus Christus ist gen Himmel gefahren, also nicht mehr sichtbar unter uns, also gibt es keine Begegnung mit Christus, sondern nur das Hören auf sein Wort und das vermittelst der Heiligen Schrift.

Jeder, der mit ernster Glaubenssehnsucht mit der Bibel in der Hand gestartet ist, wird, wenn er diesen Weg wirklich geht, vom Hören auch zum Schauen geführt.

Es bleibt dabei, dass wir Gott nicht sehen können, aber unsere Seele, unser Herz, auch unser vom Geist inspirierter Verstand können ihn schauen.

Um diese theoria, die Gottesschau geht es zuerst in der Nachfolge. Erst danach geht es auch um praktisches, um all das andere. Amen.

 

 

FÜRBITTGEBET

Barmherziger Gott, dein Sohn ruft uns auf den Weg der Nachfolge. In seinem Namen beten wir:

Führe alle, die auf der Suche sind, zum Licht der Wahrheit und mache unsere Gemeinden und Gemeinschaften zu Orten, an denen deine Liebe erfahrbar wird.

[Wir rufen zu dir:] Herr, zeig uns dein Erbarmen.

Schenke, dass die Würde der Menschen in allen Völkern geachtet wird. Gib Kraft denen, die sich einsetzen für Gerechtigkeit und Versöhnung. Steh uns bei im Kampf gegen Krieg, Seuchen und Terror.

Rufe auch heute Männer und Frauen in deinen Dienst, dass sie Christus mit ganzem Herzen folgen und zu Zeugen und Boten des Heils werden.

Im Vertrauen auf den Anbruch deines Reiches wollen wir auf Christus schauen und den Menschen dienen.

Lebendiger Gott, schenke uns Mut den Spuren deines Sohnes zu folgen, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und Herr ist in Ewigkeit.

 

von Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius, EMB

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