Rhein.-Westf.

Bruderschaftswoche 2020

Erfreuliche Zahl neuer Brüder in der Probezeit und Aspiranten auf dem Weg in unsere Bruderschaft

Trotz Corona Pandemie nahmen 8 Brüder in der Probezeit, 2 Aspiranten, 1 Bruder aus der Jungbruderschaft und 5 Michaelsbrüder an der diesjährigen Bruderschaftswoche teil. Gleich zu Beginn erläuterte Bruder Klein die auch auf dem Kirchberg geltenden besonderen Hygienevorschriften und bat alle dringend, diese zu beachten. In einer einführenden kurzen Vita berichtete dann jeder eindrücklich von sich selbst und was er von der Bruderschaftswoche erwarte. Der Probemeister ermutigte die Beteiligten in der Woche „Kloster auf Zeit“ die Gelegenheit zu nutzen, sich in einer achtsameren, geistlichen Grundhaltung einzuüben und gerade auch die Zeiten zwischen den Arbeitseinheiten und Gebetszeiten in innerer Sammlung zu gestalten.

Früh am Morgen, zum 7. Schlag der Klosteruhr versammelten sich am nächsten Tag alle, denen es möglich war, auf der Wiese zwischen Johanniskirche und Labyrinth: „Der Weise richtet in der Frühe zuerst sein Herz darauf, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat und betet vor dem Allerhöchsten“ (Sirach. 36,9). Mit Luthers Morgensegen und Bewegungsübungen zum Wecken des Leibes, die auf das meditative Sitzen vorbereiten sollen, ging es dann in den Kapitelsaal. Nur wenige benutzten ein Kniebänkchen. In aufrechter, gesammelter Haltung wendeten sich die Eleven meditativ und kontemplativ in Christus, mit Christus dem Herrn zu. Dabei waren die Fenster des Kapitelsaales weit geöffnet und eine frische Morgenluft konnte sich um die Meditierenden ausbreiten. Nach der Laudes folgten am Morgen regelmäßig Einführungen in das neue Tagzeitenbuch und Wissenswertes zu den Tagzeitengebeten. „Qui cantat bis orat“ gestaltete sich ob der Hygienevorschriften zuweilen schwierig. Mit Mund-und Nasenschutz war das Singen grundsätzlich möglich, aber wegen dieser Einschränkungen wollte dabei nicht so recht Freude aufkommen. Als Entschädigung durften wir dafür unter der Woche, mehr als sonst üblich dem engagierten Orgelspiel und Einzelgesang des Bruderschaftskantors lauschen.

Der Geistliche Leiter Bruder Matthias Gössling schien sich sichtlich über die große Schar der Bruderschaftswoche zu freuen. Neben seiner Begrüßung und Wissenswertem zur aktuellen Situation des Kirchberges ging er auf unseren Wunsch dieses Mal insbesondere auf die Geschichte und Bestimmung des Vereins Berneuchener Haus e.V. ein. Eine zweite Arbeitseinheit teilte er sich mit dem Probemeister zu den Diensten des Türhüters und den Küsterdiensten. Wo und wenn möglich sollten sehr bewusst vor den Tagzeitengebeten und Messen beide Dienste getrennt eingeteilt werden. Verteilt über 4 Einheiten in der Woche legte uns Bruder H. Folkers in seinen Ausführungen zur Heiligen Schrift auseinander, wie die Evangelien aufeinander folgen und einander voraussetzten. Er führte aus, wie insbesondere der Evangelist Markus die Gattung der Evangelien begründete und seinen Nachfolgern die erzählten Jesusgeschichten als Verkündigungsform des Christuszeugnisses unvermeidbar machte. Von ihm lernten wir auch das Proömium als griechische Prosa zum Vorwort des Evangeliums kennen. Mit seinen Ausführungen zum „Nunc dimittis“, dem Gebet des blinden Simeon, schloss Br. Folkers in diesem Jahr seine Bibelvorlesung zur Bruderschaftswoche ab.

Bruder R.-D. Gregorius zeigte uns, dass die geistliche Lesung eine wesentliche Erscheinung der Kultur des Lesens ist. Dabei qualifiziere „geistlich“ nicht nur eine besondere Methode, sondern auch eine besondere Haltung im Raum des Glaubens und der Kirche. Praktische Übungen unternahmen die Discipuli mit Perikopenbuch und Lektionar ausgerüstet dann auf der Nonnenempore. Der Aufbau der Evangelischen Messe bildete im Weiteren ein Kernstück seiner Ausführungen.

In der Arbeit mit und am Labyrinth sehr erfahren hatte sich Bruder L. Müller bereit erklärt, die Teilnehmer der Bruderschaftswoche in die geistliche Übung am Labyrinth einzuführen. Wie schön, dass es auf dem Kirchberg dieses Labyrinth gibt und Dank an die Arbeitsgruppe um Ulrich Koring von der GSM. „Das Labyrinth lädt ein, die eigene Mitte zu suchen“, so Br. Müller. Im Pilgerschritt: drei Schritte vor, einen Wiegeschritt zurück, konnte sich jeder Bruder selbst in dieser uralten Tradition üben. Wie lang doch manchmal Wege sein können und unsere Geduld herausfordern!

Bruder Januschek, Diakon der Bruderschaft und Mitglied des Rates, erzählte anschaulich von den Anfängen und erläuterte Organe und Schriften der Bruderschaft. In Abendgesprächen gab er der Gruppe wertvolle Impulse zum Gebet in der Bruderschaft: „Der Bruder hält in Treue und Gehorsam das tägliche Gebet … ihm wird das Gebet zur täglichen Speise (Abschnitt I, Ziff. 2 der Regel). Es folgte ein lebhafter Austausch. Ebenso leitete er eine Diskussion zu einem wesentlichen Fundament der Bruderschaft: „Wir können an der Kirche nur bauen, wenn wir selber Kirche sind“ (Abschnitt I, Absatz 2 der Urkunde).

Am Mittwochnachmittag versammelten wir uns im Erdgeschoss des Konventsgebäudes vor den Tableaus, die die Geschichte der Bruderschaft beschreiben. Dabei spielt die deutsche Wanderbewegung eine immer wieder zitierte Rolle. Auf dem 1. Tableau fanden wir auch das bekannteste Lied der Wandervogelbewegung, das seit seiner Entstehung 1911 bis heute populär geblieben ist: „Wir wollen zu Land ausfahren“ (Horant, Hjalmar Kutzleb). Natürlich hatte der Probemeister Noten und Texte für alle vorbereitet und am Ziel einer Wanderung konnten wir das Lied – in gebührendem Abstand – anstimmen. Die Jüngeren bestiegen die Himmelsleiter mit ordentlich viel Puste und verwegenen Schrittes. Die Älteren stärkten sich mit einem Schluck Wein. Bruder Rahn las uns dazu aus Gen. 28 den Traum des Jakob von der Himmelsleiter.

Zweimal erlebten wir in dieser Woche anstatt der Laudes eine Werktagsmesse, am Mittwoch zu Ehren von Maria Magdalena, am Donnerstag die auf dem Kirchberg üblich Feier.

Der Probemeister hatte sich neben der Leitung der Woche u. a. die Themen „Dienst des Helfers“ und „Rechenschaftsbericht“ vorbehalten. Er stellte insbesondere den Rechenschaftsbericht als eine wichtige geistliche Übung dar, deren Früchte der einzelne Bruder oft erst beim Pflücken nach Jahren erkennen kann. Weiter führte er die Gruppe in die Geschichte der Meditation in der Bruderschaft ein. In Theorie und Praxis zur Meditation markierte er die Bewusstseinsveränderung als wesentliches Kennzeichen dieser geistlichen Übung. Verschiedene Ansätze wie Stille-Meditation, Atemmeditation, Kelchmeditation und Herzensgebet wurden morgendlich ansatzweise exemplarisch geübt.

Der Freitagnachmittag stand dann im Zeichen des Geistlichen Pfades. Schwerpunkt bildete in dieser Bruderschaftswoche der Wächter und die geistliche Waffenrüste (Eph. 6). Dabei konnte jeder Teilnehmer mit Wachsmalstiften seinen eigenen Schild gestalten und trug ihn dann über die Schwelle zur Nonnenempore. Die Übung und der Nachmittag endeten in einer Feier um den Altar. Nach der Vesper blieb die Gruppe im Schweigen bis zur Laudes am nächsten Morgen.

Der Samstag ließ die ereignisreich gefüllten Tage ausklingen. Das Luzernar wurde von sechs Teilnehmern der Bruderschaftswoche gestaltet und bildete einen 1. Höhepunkt am Ende dieser Woche. Für die Bruderschaftswoche traditionell wurde die Agape draußen gefeiert. Dabei durfte auch das Grillen mit dem Leiter der Küche, Herrn Weidhase, nicht fehlen. Der Tag schloss mit Brudergebet und Nachtbitten unter einem sternenklaren Himmel.

„Bleibet fest in der brüderlichen Liebe“. Mit diesen mahnenden Worten aus dem Hebräerbrief begann die Predigt zum Abschluss der diesjährigen Bruderschaftswoche. „Wir werden in die neue Woche gewiesen auf das hin, was nach dieser Bruderschaftswoche auf uns zukommt“, so der Prediger Bruder i. d. Probezeit Friedrich Heckmann in seiner großartigen Predigt.

Mit dem Reisesegen im Labyrinthgarten endete diese Bruderschaftswoche 2020. Wir dürfen uns nun auf die Vollaufnahme mehrerer teilnehmender Brüder i. d. Probezeit zum Michaelsfest in diesem Jahr freuen!

Gott befohlen!

 

Br. H. S. Neues
Probemeister EMB