Die Sonntage

Andacht zu Exaudi von Pfr. Christoph Thiele

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der 6. Sonntag nach Ostern trägt den Namen Exaudi nach dem Wort aus Psalm 27 (V.7): „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe!“ Jesus hat sich von seinen Jüngern verabschiedet und ist zurückgekehrt zu seinem himmlischen Vater – Himmelfahrt. Doch er hat seinen Jüngern – und uns – verheißen, dass er den Heiligen Geist sendet, den Tröster, der uns seine Nähe spüren lässt.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,
in deinen Worten zeigst du uns die Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, den du uns verheißen hast.
Stärke und tröste uns durch ihn in den Anfechtungen, in die wir geraten. Lass uns durch deinen Geist innerlich erneuert werden,
dass wir zu rechten Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Gib uns achtsame Sinne und lass uns die Welt um uns herum mit den Augen der Liebe betrachten.

Amen.

Wochenlied EG 128 Heilger Geist, du Tröster mein

 

Predigtwort Jeremia 31,31-34

SIEHE, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den HERRN“, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

 

Liebe Brüder!

Abschiede sind nicht ganz einfach, besonders dann nicht, wenn es um vertraute Menschen geht, die sich nach einem schönen Besuch wieder entfernen. Da fällt es leichter, wenn man hoffen darf, dass man sich wiedersieht. Nach seiner Auferstehung ist Jesus noch 40 Tage lang seinen Jüngern und anderen Menschen begegnet. Doch dann kam die Zeit, dass er wieder zum Vater aufgefahren ist. ER, der so wie niemand anderes zuvor die Verbindung zu Gott neu hergestellt hatte. Seine irdische Präsenz war beendet. War das alles? – Eindeutig: Nein! Denn er hat den Heiligen Geist an seiner Statt angekündigt, der kommen wird und der all das Erlebte lebendig halten wird. In diesen Tagen befinden wir uns in der Zwischenzeit, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Und wir sind voller Hoffnung, dass es auch so geschieht, wie Jesus gesagt hat. Der Heilige Geist soll zu uns kommen, soll uns leiten und begleiten, das Herz erwärmen mit der Nähe Gottes, so wie es Jesus eben getan hatte.

Wenn der Heilige Geist kommt, dann ist das etwas Grundlegendes, etwas Erleuchtendes für Menschen, die von IHM erfüllt werden. Der Prophet Jeremia hat Vergleichbares angekündigt. Er hat angekündigt, dass Gott sich dem Volk neu zuwenden wird. Dem Volk, das sich von Gott entfernt hatte. Kein Mensch kann die Nähe Gottes einfach herstellen. Man kann sie immer nur erbitten und empfangen. Jeremia spricht vom „neuen Bund“, den Gott mit den Menschen schließen will. „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ Es war wie die „zweite Rettungstat“, nachdem Gott sein Volk Israel aus der Unterdrückung in Ägypten hinausgeführt hatte ins gelobte Land. Das war ein Abenteuer mit vielen Strapazen und hat lange gedauert. Immer wieder hatte das Volk die eigentliche große Rettungstat vergessen und sich über den alltäglichen Mühen von Gott abgewendet. – Kommt uns das nicht bekannt vor? Wir mögen noch so viel Schönes erlebt haben, bei der nächsten großen Anstrengung gerät das schnell in Vergessenheit. Deswegen ist es so wichtig, sich den Segen Gottes, den man selbst schon erlebt hat, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, die schönen Erfahrungen zu erinnern, sich zu erzählen, sie vielleicht sogar aufzuschreiben. Es ist wie mit dem Glauben selbst. Er ist nicht einfach selbstverständlich da. Sondern er will immer gepflegt und wachgehalten werden, ebenso wie man einen schönen Garten beständig pflegen muss, wenn er schön bleiben soll.

Das Wesentliche tut Gott selbst immer wieder für uns. ER schließt den Bund. ER sendet Segen aus. Bei uns wird es das Wesentliche sein, Zeiten der Einkehr zu suchen, um den Segen bewusst zu empfangen und Gott dafür zu danken. Gerade in dieser Zeit der Corona-Krise mit all ihren Mühen, die von uns gefordert sind, wird das vielleicht noch wichtiger als sonst, damit wir unseren langen Atem behalten und unsere Zuversicht nicht verlieren.

„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ hat Jesus gesagt. Darauf dürfen wir uns verlassen, liebe Gemeinde. Und das Pfingstfest wollen wir endlich wieder angemessen feiern in einem Gottesdienst, am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag in unserem Kirchhof. Auf dass der Heilige Geist uns wieder neu auferbaue und stärke.

Amen.

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns zugesagt, bei uns zu sein durch die Kraft des Heiligen Geistes, uns nicht allein zu lassen mitten im Unfrieden dieser Welt und uns zu trösten in aller Traurigkeit.

Wir bitten dich, dass dein Geist unseren schwachen Glauben stärkt, dass wir im Vertrauen auf dein Wort leben und handeln. Wir bitten dich, dass dein Geist unser Herz erfüllt und belebt, dass wir unsere Zuversicht behalten in der Corona-Krise und sie durchstehen mit deiner Hilfe.

Wir bitten dich, dass dein Geist uns recht beten lehrt, dass wir mit unseren Anliegen und unserer Verzagtheit zu dir kommen. Wir bitten dich, dass dein Geist uns zur Wahrheit führt, dass wir gegen die ungerechten Strukturen in unserer Welt aufstehen.

Wir bitten dich, dass uns dein Geist innerlich verändert, dass er uns aus der Erstarrung löst, in die uns unser Alltag immer wieder führt. Wir bitten dich, dass wir durch deinen Geist den Mut finden, uns zu dir zu bekennen und deine Zeugen werden.

Amen.

 

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