Die Sonntage

Hausgebet für den 15. Sonntag nach Trinitatis

Lied: Fürchte dich nicht (EG 656)

Text und Melodie: Fritz Baltruweit 1981

1. Fürchte dich nicht, / gefangen in deiner Angst, / mit der du lebst. / Fürchte dich nicht, / gefangen in dei- ner Angst. / Mit ihr lebst du.
2. Fürchte dich nicht, / getragen von seinem Wort, / von dem du lebst. / Fürchte dich nicht, / getragen von sei- nem Wort. / Von ihm lebst du.
3. Fürchte dich nicht, / gesandt in den neuen Tag, / für den du lebst. / Fürchte dich nicht, / gesandt in den neuen Tag. / Für ihn lebst du.

 

Wochenspruch

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
(1. Petrus 5,7)


Psalm 127

Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen;

denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewig- keit. Amen


Eingeständnis

Wer sind wir, dass wir nicht untergehen in den Bedrängnissen dieser Welt? – Wer sind wir, dass Gott nie nachlässt, uns mit seiner Zuwendung zu umfangen? – Er ist da für uns; zu ihm können wir kommen, so wie wir sind. Vor ihm können wir ehr- lich von unserem Versagen und unserer Not sprechen. Ver- trauen wir uns in der Stille Gott an und bitten um seine Gnade:

– Stille –

Herr, erbarme Dich!


Zuspruch

Die Güte des HERRN ist‘s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Mor- gen neu, und deine Treue ist groß. Wir dürfen gewiss sein: Der barmherzige Gott hat sich uns zugewandt in Jesus Christus. Durch seine Hingabe ist die Macht von Sünde, Angst und Tod überwunden. Aus seiner Vergebung können wir leben. Was ge- wesen ist, soll nicht mehr beschweren, was kommt muss uns nicht schrecken. Gottes Gnade ist unseres Lebens Freude und Kraft.

Tagesgebet

Beten wir in der Stille zu Gott und vertrauen ihm unser Leben an:

– Stille –

Gott, du Treue auf ewig. Dein Sohn hat uns verkündet und vor- gelebt, dass wir nicht sorgen müssen um unser Leben, son- dern auf dich schauen und dir vertrauen dürfen. Gib, dass wir dir all unser Sorgen übergeben und uns ganz auf dein Sorgen zu verlassen wagen. So bitten wir durch Jesus Christus, un- sern Bruder und Herrn.

Lesungs- und Predigttext

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. 5Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht ge- wachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Os- ten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde aller- lei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Er- kenntnis des Guten und Bösen.

Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

(1. Mose 2, 4b-9+15)

Hallelujavers

Halleluja.

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet.

Halleluja.

Lied: Befiehl du deine Wege (EG 361)

Text: Paul Gerhardt 1653; Melodie: Bartholomäus Gesius 1603; bei Georg Philipp Te- lemann 1730 

1. Befiehl du deine Wege / und was dein Herze kränkt / der allertreusten Pflege / des, der den Himmel lenkt. / Der Wolken, Luft und Winden / gibt Wege, Lauf und Bahn, / der wird auch Wege finden, / da dein Fuß ge- hen kann.
2. Dem Herren musst du trauen, / wenn dir’s soll wohler- gehn; / auf sein Werk musst du schauen, / wenn dein Werk soll bestehn. / Mit Sorgen und mit Grämen / und mit selbsteigner Pein / lässt Gott sich gar nichts neh- men, / es muss erbeten sein.
3. Dein ewge Treu und Gnade, / o Vater, weiß und sieht,

/ was gut sei oder schade / dem sterblichen Geblüt; / und was du dann erlesen, / das treibst du, starker Held, / und bringst zum Stand und Wesen, / was dei- nem Rat gefällt.

4. Weg hast du allerwegen, / an Mitteln fehlt dir’s nicht;

/ dein Tun ist lauter Segen, /dein Gang ist lauter Licht;

/ dein Werk kann niemand hindern, / dein Arbeit darf nicht ruhn, / wenn du, was deinen Kindern / ersprieß- lich ist, willst tun.

  

Meditieren  Sie  für  sich  oder  gemeinsam  die  gehörten Worte.

Lesen Sie sich die Worte noch einmal laut vor, die Sie heute besonders berühren.

  • Lesen Sie dazu vielleicht zuvor das Evangelium noch einmal insgesamt laut
  • Hören Sie den Worten im Schweigen
  • Teilen Sie miteinander oder schreiben Sie für sich auf, was dieses Wort bei Ihnen heute auslöst und für Sie heute so wichtig
  • Überlegen Sie, was das daraus für Ihr Handeln und Ihren Alltag

Gedanken und Denkanstöße

Garten Eden, Paradies…

– Welche Bilder kommen bei diesen Worten bei Ihnen hoch?

Das Wunder des Anfangs, des Beginns der Welt und der Menschheit – das hat mich immer an dieser Geschichte faszi- niert. Alles neu, alles unschuldig, Welt und Mensch als unbe- schriebenes Blatt.

Und wie war diese Welt? Manche Menschen verwechseln das Paradies (deutsch: umzäunter Garten) mit einer Art Schlaraf- fenland – ohne Arbeit, ohne Hunger, ohne Sorgen. Dabei lesen wir im zweiten Schöpfungsbericht, dessen Anfang heute Pre- digttext ist, etwas von „bebauen und bewahren“.

Also schon Arbeit. Aber: Es ist für alles gesorgt! (Und mal ehr- lich: Ein Leben so ganz ohne Arbeit, ohne Aufgaben, ohne Ziele… So „paradiesisch“ wäre das auf Dauer auch nicht.) Das Ganze vorgestellt als Garten. Das war in der Gegend, in der der zweite Schöpfungsbericht entstand, tatsächlich etwas Para- diesisches: Schatten, Kühle, Wasser, Früchte… Inmitten von Hitze, Staub und gleißender Sonne.

In dieser Anfangszeit wird deutlich: Gott sorgt für den Men- schen, bereitet, was er braucht. Der Mensch sorgt für die Schöpfung, pflegt sie und genießt sie.

Und dann wurde es immer komplizierter… Der Mensch ent- deckt seine Freiheit und die damit verbundene Selbstverant- wortung, tötet, macht sich an größenwahnsinnige Projekte, teilt sich in Völker und Länder. Am vorläufigen Ende steht un- sere Zivilisation. Mit all ihren Wundern, mit all ihrem Grauen. Und mit all ihren Sorgen. Adam und Eva mussten sich keine Gedanken  über  Karriere,  Beziehung,  Familie,  Gesundheit,

soziales Ansehen oder überfordernde Technik machen. Über politische Irrläufer, wirtschaftliche Ungerechtigkeit oder die ökologischen Bedrohungen unserer Welt. Über die Rente oder die Ausbildung der Kinder. Über Steuern, Baufinanzierung und Mülltrennung.

– Was macht Ihnen Sorgen? Wie gehen Sie mit diesen Sorgen um?

Im Paradies lebte es sich einfach – im doppelten Sinne: Leben auf eine einfache Weise und Leben, einfach so. Nicht wenige Menschen versuchen das später auch – „Aussteiger“ hießen sie früher. Minimaler Lebensstil, wenig oder gar kein Geld, Selbstversorger, einzeln oder in Gemeinschaft.

Ein Weg, den in der Kirche schon früh die „Wüstenväter“ gin- gen, später die Mönche und Nonnen. (Der begrünte Platz im Kreuzgang der Klöster wird übrigens auch „Paradies“ ge- nannt.) Das ist ein Weg, sich vieler Sorgen zu entledigen -aber sicher nicht für viele Menschen, und ohne Erfolgsgarantie.

Ich möchte vom Wunder des Anfangs etwas für mein „norma- les“ Leben lernen. Mein Leben voller Sorgen.

Ich möchte entdecken und begreifen, dass Gott diese Welt gut geschaffen hat. Weil er für mich, für alle Menschen und die Welt sorgt. Jeden Tag.

Ich möchte lernen und begreifen, dass meine Sorgen um so Viele und so Vieles erträglicher werden oder gar ganz ver- schwinden können. Wenn ich wie die ersten Menschen darauf vertraue, dass Gott einen Weg für mich, für die Anderen und für die Welt finden wird oder schon längst gefunden hat. Weil er sich um mich, um alle Menschen und die Welt sorgt. Jeden Tag.

Das heißt nicht Fatalismus! „Bebauen und bewahren“ heißt: Ich möchte lernen, meinen Teil beizutragen, den Auftrag Got- tes zu erfüllen. Nämlich für seine Schöpfung Sorge zu tragen.


Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.


Fürbittengebet

Gott, du belebst diese Erde durch die Fülle deiner Gaben. Wir danken dir für alles, was du uns gewährst, und bitten um deine Kraft, wenn wir in unseren Sorgen zu verzagen drohen. Wir rufen dich an:

Kyrie eleison

Gib uns den Heiligen Geist, dass wir die Zeichen der Zeit er- kennen, dass wir spüren, wann und wo wir gefordert sind, dass wir zuversichtlich bleiben in unserer Liebe zum Leben. Wir rufen dich an:

Kyrie eleison

Hilf denen, die in den Staaten Verantwortung tragen, diese Erde bewohnbar zu halten. Nimm den Menschen die Angst vor der Zukunft. Wir rufen dich an:

Kyrie eleison

Wir beten für alle in unserer Nähe und in der Weite der Völker, die niemanden kennen, der sie birgt, die keinen haben, der sie umsorgt oder heilt. Hilf uns, sie zu sehen und barmherzig zu werden. Wir rufen dich an:

Kyrie eleison

Für die Verlassenen und die Entmutigten bitten wir, dass du ihnen mit deinem Trost entgegengehst, für die Sterbenden und die Trauernden bitten wir um Bewahrung in deiner guten Hand. Wir rufen dich an:

Kyrie eleison

 Mache uns, Gott, bereit für alles, was von dir kommt, dass wir geborgen bleiben unter deinem Segen, heute und Tag um Tag, alle unsere Wege bis in Ewigkeit.


Vaterunser

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen.


Segen

Gott segne und behüte uns

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns Und sei uns gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf uns Und schenke uns Frieden.

So segne und behüte uns

Der gnädige und barmherzige Gott.

Der Vater + der Sohn + und der Heilige Geist + Amen

 

von Pfarrer Dr. Benjamin Härte 

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