Die Sonntage

Hausgebet zum 10. So. n. Trin. von Pfr. Dr. Benjamin Härte

Ich entzünde eine Kerze und werde still.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes

und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Gemeinsam feiern wir Gottesdienst

zuhause an unseren Tischen und versammelt in der Kirche. Wir bitten:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus Und die Liebe Gottes

Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Amen.

 

 

Lied: Du bist da

(FreiTöne 91)
Text (nach Psalm 139): Jan von Lingen 2004;
Musik: Gerd-Peter Münden 2004 ©
Text: tvd-Verlag, Musik: Strube Verlag

 

1. Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, / am Grund aller Fragen bist du. / |: Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht.  / Nähme ich Flügel der Morgenröte, bliebe am äußers- ten Meer. / Schliefe ich ein im Reich der Toten, würde statt Nacht Licht um mich sein.
2. Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, / im Arm einer Mutter bist du. / |: Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht.  / Sitze ich da oder leg mich nieder, mache mich auf und ich steh. / Meine Gedanken kennst du von Ferne, weißt ganz genau, wohin ich geh.
3. Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, / das Rätsel des Lebens bist du. / |: Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht.  / Stehe ich staunend am Strand und träume, zähle ich Körner im Sand. / Lote ich aus die Meerestiefe, sehe hinaus ins Sternenhaus.
4. Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, / am Grund aller Fragen bist du. / |: Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht.

 

Wochenspruch

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

(Psalm 33,12)

Psalm 122

Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des Herrn!

Nun stehen unsere Füße

in deinen Toren, Jerusalem.

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

wohin die Stämme hinaufziehen,

die Stämme des Herrn, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des             Herrn.

Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.

Wünschet Jerusalem Frieden!

Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewig- keit. Amen

 

Kyrie

Grüßen wir den Herrn in unserer Mitte:

Ewiger, du Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, du hast das Volk Israel erwählt zum Zeugen deines Namens in der Welt. Du bist ihm treu durch die Zeiten. Wir rufen zu dir:

Kyrie-Ruf  (EG 185.4)

Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarm dich über uns.

Jesus Christus, unser Herr und Bruder, geboren von Maria, aus Davids Stamm, du hast die Kirche berufen aus allen Völkern, dir zu dienen. Du führst sie und trägst sie durch die Zeiten. Wir rufen zu dir:

Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarm dich über uns.

Heiliger Geist, du Geist des Vaters und Geist des Sohnes, du tust dein göttliches Werk unter allen Menschen, an Israel und der ganzen Völkerwelt. Du erwählst und richtest, du forderst und befreist. Wir rufen zu dir: (v)

Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarm dich über uns.

 

 Tagesgebet

Beten wir in der Stille zu Gott, der sein Volk segnet mit Frieden:

– Stille –

Ewiger, du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Du hast das Volk Israel erwählt zum Zeugen deines Namens in der Welt

 

und bist ihm bis heute treu geblieben. Durch Jesus Christus hast du auch deine Kirche berufen, dir zu dienen, hast sie durch die Zeiten geführt und getragen. Gib deinen Heiligen Geist, dass wir mit allen Getauften wachsen im Glauben und in der Solidarität mit deinem Volk Israel. Gemeinsam mit ihm loben wir dich. Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Predigttext

25 Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. 26 Und so wird ganz Is- rael gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Je- remia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. 27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«

28 Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter wil- len. 29 Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht ge- reuen. 30 Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehor- sams, 31 so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32 Denn Gott hat alle einge- schlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

(Römer 11, 25-32)

 

Hallelujavers

Halleluja.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! Halleluja.

 

Lied: Nun danket Gott, erhebt und preiset (EG 290)

Text: Johannes Stapfer 1775;
Melodie: Pierre Davantès 1562

 

1. Nun danket Gott, erhebt und preiset / die Gnaden, die er euch erweiset, / und zeiget allen Völkern an / die Wunder, die der Herr getan. / O Volk des Herrn, sein Eigentum, / besinge deines Gottes Ruhm.
3. O Israel, Gott herrscht auf Erden. /Er will von dir ver- herrlicht werden; / er denket ewig seines Bunds / und der Verheißung seines Munds, / die er den Vätern kundgetan: / Ich lass euch erben Kanaan.
4. Sie haben seine Treu erfahren, / da sie noch fremd und wenig waren; / sie zogen unter Gottes Hand / von einem Land zum andern Land. / Er schützte und be- wahrte sie, / und seine Huld verließ sie nie.
6. Das tat der Herr, weil er gedachte / des Bunds, den er mit Abram machte. / Er führt an seiner treuen Hand / sein Volk in das verheißne Land, / damit es diene sei- nem Gott / und dankbar halte sein Gebot.

 

Meditieren Sie für sich oder gemeinsam die gehörten Worte.

Lesen Sie sich die Worte noch einmal laut vor, die Sie heute besonders berühren.

  • Lesen Sie dazu vielleicht zuvor das Evangelium noch einmal insgesamt laut
  • Hören Sie den Worten im Schweigen
  • Teilen Sie miteinander oder schreiben Sie für sich auf, was dieses Wort bei Ihnen heute auslöst und für Sie heute so wichtig
  • Überlegen Sie, was das daraus für Ihr Handeln und Ihren Alltag

 

Gedanken und Denkanstöße

Der Apostel müht sich ab, argumentiert, scheitert, argumen- tiert neu… Drei Kapitel seines Römerbriefes füllt Paulus mit Gedanken zu der Frage: Wie verhält sich der Glaube an Jesus als den Christus zum Judentum, das Jesus nicht als Messias anerkennen kann?

Lange wurde diese Frage im Christentum weniger differen- ziert behandelt: Die Juden haben ihren Bund mit Gott ver- spielt, da sie den Messias nicht anerkennen und sogar umge- bracht haben. Die Kirche ist darum das neue Volk Gottes, das die Juden ablöst. Mit allen Konsequenzen, wie es sie bis heute gibt. Scheinbare Klarheit.

 

– Wie würden Sie das Verhältnis von Juden(tum) und Chris- ten(tum) heute einschätzen? Spielt diese Frage eine Rolle für Sie und Ihr Glaubensleben?

Heute scheint die Frage wiederum geklärt zu sein, jedenfalls hier in Deutschland – mit umgekehrten Vorzeichen. Die meis- ten Kirchen bemühen sich um ein freundschaftliches Verhält- nis zu den jüdischen Gemeinden. Die Rheinische Landeskirche hat schon vor 40 Jahren festgestellt: Das jüdische Volk bleibt erwählt und erwartet gemeinsam mit den Christen Gottes Vollendung der Welt. Scheinbare Klarheit.

Der Apostel Paulus macht es sich schwerer. Er ist selbst Jude, schriftgelehrt und gläubig. Die Anhänger Jesu gingen in Jeru- salem noch ganz selbstverständlich in den Tempel, aber auch Nichtjuden hatten sich der neuen Bewegung angeschlossen. Das machte das Gemeindeleben, wie wir im Neuen Testament lesen können, nicht unbedingt einfacher. Mussten diese Hei- den erst Juden werden oder konnten sie unmittelbar in die Gemeinde aufgenommen werden? Letztere Position hat sich durchgesetzt, was die Mission in den ersten Jahrzehnten sehr erleichterte.

Und die Juden? Also die, die weiter auf den Messias, den Ge- salbten, den Retter warteten? Waren sie verloren?

Um es kurz zu machen: Paulus kommt zu keiner Lösung. Heil gibt es nur durch das Vertrauen darauf, dass Jesus als Christus den Menschen rettet. Und: Der Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat, bleibt bestehen. Weil Gottes Gnade nicht wankt und seine Zusagen bestand haben. Paulus hofft, dass irgendwann das ganze Volk Israel Jesus als den Christus erkennt – die „Verstockung“, also die Unfähigkeit, das zu er- kennen, endlich aufgehoben wird. Das hoffte übrigens auch

 

Martin Luther, und als das nicht geschah, kam es zu seinen ju- denfeindlichen Ausfällen, die heute noch Teil unseres Erbes sind und es belasten.

Und heute? US-amerikanische Evangelikale sind große Unter- stützer des Staates Israel – auch mit dem Hintergedanken, dass sich „die Juden“ bald „bekehren“ mögen. In der römisch- katholischen Karfreitagsliturgie wurde bis vor kurzem dafür gebetet, dass „die Juden“ doch endlich die Wahrheit erken- nen mögen. Und dann gibt es die, die sagen: Gott findet viele Wege zum Menschen, nicht nur in Jesus, sondern auch in an- deren Religionen – jede hat einen Anteil an der Wahrheit.

– In der Diskussion werden oft Glaubensfragen mit politischen Fragen (Staat Israel, Palästinenser) verbunden. Was meinen Sie? Gehört das zusammen?

All das bedeutet letztendlich, dass der Bund des Volkes Israel mit Gott letztendlich doch keinen eigenen Wert und keinen Bestand hat. Das Gottes Zusage nichts gilt. Oder das Gottes Offenbarung beliebig und „gleich-gültig“ ist.

Wir haben nun fast 2000 Jahre Erfahrung im Miteinander von Christen, die sich langsam zu einer eigenen Religion entwi- ckelten, und Juden, die sich nach der Zerstörung des Jerusa- lemer Tempels im Jahre 70 quasi neu erfinden mussten. Ur- sprünglich war heute der Gedenktag dieser Tempelzerstö- rung, mit entsprechenden triumphalistischen Untertönen. Eine gemeinsame Geschichte, die von Ignoranz, Pogromen, Überheblichkeit und Unterdrückung der Minderheit durch die Mehrheit geprägt war. Eine Geschichte zum Schämen. Aber schlechtes Gewissen sollte unser Verhältnis zum Judentum nicht definieren, sondern das Zeugnis der Heiligen Schrift. Nach ihr müssen wir in der Spannung leben: Der Gott Israels

 

offenbart sich der Welt als Mensch im Juden Jesus, ohne sei- nen Bund mit seinem Volk zu verneinen. Das kann man nicht glatt bügeln oder überspielen. Beides ist wahr, denn beides ist Gottes Wille. Deswegen schließt Paulus an den heutigen Pre- digttext ein Gotteslob an – in seiner Hand sind Christen und Juden geborgen:

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) 35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3) 36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Fürbittengebet

Ewiger Gott, du unser Gott und Gott Israels. Du bist deinen Verheißungen treu. Du bleibst unerschütterlich bei denen, die du erwählt hast. Voller Hoffnung beten wir zu dir:

Erbarme dich, ewiger Gott!

Wir beten für das Miteinander aller, denen deine Verheißung gilt. Für Juden und Christen. Schenke Versöhnung in allem Leid aus der Vergangenheit. Gib Vergebung in allem gegen- wärtigen Versagen aneinander. Wir bitten:

Erbarme dich, ewiger Gott!

Wir beten für die Menschen in Israel und alle, die voller Dank- barkeit auf die Jahre seit der Neugründung des Staates zu- rückblicken. Für seine Bewohnerinnen und Bewohner, seine Nachbarn und Bedränger. Gib Frieden. Verbanne die Gewalt. Wir bitten:

Erbarme dich, ewiger Gott!

Wir beten für deine Kirche, schenke ihr Einheit. Bewahre un- sere Schwestern und Brüder, deren Gemeinschaft bedroht ist. Sei mit deinem heiligen Geist in ihrem Ringen um ein ehrliches Miteinander. Begleite alle Gemeinden in ihrem Suchen, dir glaubwürdig zu dienen. Stärke alle Christinnen und Christen in Not und Verfolgung. Wir bitten:

Erbarme dich, ewiger Gott!

Wir beten für uns selbst, für alle, die uns lieb sind, schenke uns in diesen sommerlichen Tagen, in dieser Ferienzeit, in Urlaub und Erholung deinen Segen. Deiner Verheißung trauen wir. Auf deine Treue hoffen wir. Wir bitten:

Erbarme dich, ewiger Gott!

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme,

dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott segne und behüte uns

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns Und sei uns gnädig.

Er erhebe sein Angesicht auf uns Und schenke uns Frieden.

So segne und behüte uns

Der gnädige und barmherzige Gott.

Der Vater + der Sohn + und der Heilige Geist + Amen

 

 

 

Hausgebet zum 10. So. n. Trin. von Pfr. Dr. Benjamin Härte

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