Die Sonntage

Hausandacht zum 1. Mai 2020 von Pfr. Jörg Lusche

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Anno 2020 Hausandacht zum 1. Mai
(Tag der Arbeit – Staatsfeiertag)
und zum So. Jubilate (Jauchzet Gott alle Lande! Psalm 66,1)
3.Sonntag nach Ostern – Die neue Schöpfung
Wochenspruch
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen,
siehe, Neues ist geworden.
(2. Korintherbrief 5, 17)

 

C O`Luk/iStockphoto

 

Kernaussage

Der 1. Mai und Sonntag Jubilate fallen gerade in diesem Jahr 2020 Corona-Krise auf ein Wochenende zusammen.
Da ist auf der einen Seite die Arbeit, die für ein erfüllendes Leben ein entscheidender Faktor ist.
Sie ist zwar oft mühselig aber gibt neben dem Einkommen auch Selbstvertrauen, stiftet Identität, Struktur für den Tag oder fädelt soziale Beziehungen ein.
Ohne Arbeit zu sein – aus welchen Gründen auch immer – heißt auch von vielen Bereichen des Lebens ausgeschlossen zu sein: Freunde gehen verloren, das Familienleben wird belastet,
man schämt sich für seine Situation,
man fühlt sich wertlos, zu nichts nutze, nicht gebraucht…
Und auf der anderen Seite ist da der Sonntag,
der uns aufruft Gott zu loben und ihn als denjenigen zu bekennen, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist.
Wir werden daran erinnert, dass wir uns nicht selbst verdanken und unser Leben und unsere Lebenskraft von Gott gegeben sind.
Die Schöpfungsgeschichte drückt aus, wie Menschen sich verstehen und empfinden:
hineingesellt in eine lebensermöglichende Ordnung der Welt.

Dass es draußen immer wieder hell wird
und Tage kommen,
die wärmen,
dass Leben entsteht,
dass die Natur wächst und grünt;
dass der Atem fließt und sich die Kräfte erneuern –
all dies reizt zum Lob Gottes.
Gott sieht nicht nur auf die Hände, sondern auch auf das Herz.

Vorspruch
Laßt uns Gott, dem Vater, Lob und Dank sagen.
Laßt uns ihn bitten:
Er gewähre an diesem Tage uns Frieden und Freude
durch die Kraft der Auferstehung des Herrn,
daß wir uns freuen der Tat des Erlösers
vom ersten Morgenlied bis zur Ruhe der Nacht

Lied EG 432.1-3
Gott, gab uns Atmen, damit wir leben …

 

Gebet

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.
Vater im Himmel,
Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht
Lob und Dank sei dir für den neuen Tag
Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue
in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.
Amen.

(Gebet in Bedrängnis von Dietrich Bonhoeffer)

 

Lesung aus dem Alten Testament im 1. Buch Mose
im 1.+2. Kapitel:

Die priesterschriftliche Schöpfungsgeschichte
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.
Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.
Finsternis über Urwirbels Antlitz.
Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.
Gott sprach: Licht werde! Licht ward. Gott sah das Licht:
daß es gut ist.
Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis.
Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!
Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.
Gott sprach: Gewölb werde inmitten der Wasser
und sei Scheide von Wasser und Wasser!
Gott machte das Gewölb und schied zwischen dem Wasser,
das unterhalb des Gewölbs war
und dem Wasser, das oberhalb des Gewölbs war.
Es ward so.
Dem Gewölb rief Gott: Himmel!
Abend ward und Morgen ward: zweiter Tag.

Gott sprach: Das Wasser unterm Himmel staue sich an einem Ort, und das Trockne lasse sich sehn!
Es ward so.
Dem Trocknen rief Gott: Erde!
und der Stauung der Wasser rief er: Meere!
Gott sah, daß es gut ist.
Gott sprach: Sprießen lasse die Erde Gesproß,
Kraut, das Samen samt, 
Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist, auf der Erde!
Es ward so. Die Erde trieb Gesproß, Kraut, das nach seiner Art Samen samt, Baum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist. 
Gott sah, daß es gut ist. 
Abend ward und Morgen ward: dritter Tag.
Gott sprach: Leuchten seien am Gewölb des Himmels,
zwischen dem Tag und der Nacht zu scheiden,
daß sie werden zu Zeichen, so für Gezeiten so für Tage und Jahre, und seien Leuchten am Gewölb des Himmels, über die Erde zu leuchten! 
Es ward so. Gott machte die zwei großen Leuchten, die größre Leuchte zur Waltung des Tags
und die kleinere Leuchte zur Waltung der Nacht,
und die Sterne. Gott gab sie ans Gewölb des Himmels,
über die Erde zu leuchten, des Tags und der Nacht zu walten,
zu scheiden zwischen dem Licht und der Finsternis.
Gott sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: vierter Tag.
Gott sprach: Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebender Wesen, und Vogelflug fliege über der Erde
vorüber dem Antlitz des Himmelgewölbs!
Gott schuf die großen Ungetüme und alle lebenden regen Wesen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihren Arten, 
und allen befittichten Vogel nach seiner Art.
Gott sah, daß es gut ist. 
Gott segnete sie, sprechend: 
Fruchtet und mehret euch und füllt das Wasser in den Meeren,
und der Vogel mehre sich auf Erden!
Abend ward und Morgen ward: fünfter Tag.
Gott sprach: Die Erde treibe lebendes Wesen nach seiner Art, Herdentier, Kriechgerege und das Wildlebende des Erdlandesnach seiner Art!
Es ward so. Gott machte das Wildlebende des Erdlands nach seiner Art und das Herdentier nach seiner Art
und alles Gerege des Ackers nach seiner Art. 
Gott sah, daß es gut ist.
Gott sprach: Machen wir den Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis!
Sie sollen schalten über das Fischvolk des Meeres,
den Vogel des Himmels, das Getier, die Erde all,
und alles Gerege, das auf Erden sich regt.
Gott schuf den Menschen in seinem Bilde,
männlich, weiblich schuf er sie.
Gott segnete sie,
Gott sprach zu ihnen:
Fruchtet euch und mehret euch und füllet die Erde
und bemächtigt euch ihrer!
schaltet über das Fischvolk des Meers, den Vogel des Himmels
und alles Lebendige, das auf Erden sich regt!
Gott sprach: 
Da gebe ich euch alles samensäende Kraut, das auf dem Antlitz der Erde all ist, und alljedem Baum, daran samensäende Baumfrucht ist, euch sei es zum Essen,
und allem Lebendigen der Erde, allem Vogel des Himmels,
alles, was auf Erden sich regt, darin lebendes Wesen ist, alles Grün des Krauts zum Essen.
Es ward so.
Gott sah alles, was er gemacht hatte, 
und da, es war sehr gut. 
Abend ward und Morgen ward: der sechste Tag.
Vollendet waren der Himmel und die Erde und all ihre Schar. Vollendet hatte Gott am siebenten Tag seine Arbeit,
die er machte, und feierte am siebenten Tag von all seiner Arbeit, die er machte.
Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn,
denn an ihm feierte er von all seiner Arbeit, die machend Gott schuf.
Dies sind die Zeugungen des Himmels und der Erde:
ihr Erschaffensein.
(Martin Buber)

Lied EG 650.1-4
Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern, auf dem wir leben..

 

Besinnung:

Gott, ich bitte dich um Freude,
nicht um die große himmlische,
sondern um die kleine irdische Freude,
die mein Herz beschwingt,
mich froh und heiter macht,
mich lachen und singen lässt.
Gib mir menschliche Freude!

Um eine Freude bitte ich dich, Gott,
die mir ein Lächeln schenkt für mich selbst,
wenn ich mich so bitter-ernst nehme,
ein gutes Lächeln für die Anderen,
die mir gut und die mir böse sind,
die mir „vorgesetzt“ und die mir „unterstellt“ sind.
Gib mir eine Freude,
die Ärger und Zorn besiegt!

Um eine Freude bitte ich dich, Gott,
die um sich greift
und die Schwermut durchdringt,
den Stumpfsinn verjagt,
die Traurigkeit erhellt,
die Starrheit löst.
Gib mir befreiende Freude!

Gott, als Jesus Mensch wurde,
hast du allen Menschen
große Freude zugesagt.
Lass mich froh sein darüber;
dass ich als Mensch vor dir leben darf,
dass ich anderen Menschen
zur Seite stehen kann,
dass du Mensch unter Menschen
geworden bist.
(Autor unbekannt; Werkmappe Jugend-Gottesdienste, Innsbruck.)

 

Stille

 

Ein Bekenntnis des Glaubens:

ich glaube an gott
der die welt nicht fertig geschaffen hat
wie ein ding das immer so bleiben muss
der nicht nach ewigen gesetzen regiert
die unabänderlich gelten
nicht nach natürlichen ordnungen
von armen und reichen
sachverständigen und uniformierten
herrschenden und ausgelieferten

ich glaube an gott
der den widerspruch des lebendigen will
und die veränderung aller zustände
durch unsere arbeit
durch unsere politik

ich glaube an jesus christus
der recht hatte als er
“ein einzelner der nichts machen kann“
genau wie wir
an der veränderung aller zustände arbeitete
und darüber zugrunde ging
an ihm messend erkenne ich
wie unsere intelligenz verkrüppelt
unsere fantasie erstickt
unsere anstrengung vertan ist
weil wir nicht leben wie er lebte
jeden tag habe ich angst
dass er umsonst gestorben ist
weil er in unseren kirchen verscharrt ist
weil wir seine revolution verraten haben
in gehorsam und angst
vor den behörden

ich glaube an jesus christus
der aufersteht in unser leben
dass wir frei werden
von vorurteilen und anmaßung
von angst und hass
und seine revolution weitertreiben
auf sein reich hin
ich glaube an den geist
der mit jesus in die welt gekommen ist
an die gemeinschaft aller völker
und unsere verantwortung für das
was aus unserer erde wird
ein tal voll jammer hunger und gewalt
oder die stadt gottes
ich glaube an den gerechten frieden
der herstellbar ist
an die möglichkeit eines sinnvollen lebens
für alle menschen
an die zukunft dieser welt gottes
amen.

(Dorothee Sölle, Burggebetsmappe S 174)

Lied EG 641
Meine Hoffnung und meine Freude …

 

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, in dir sind Himmel und Erde zusammengefasst; auf dich hin sind wir geschaffen.
Du willst nicht, dass jeder nur für sich lebt,
sondern dass alle in gegenseitiger Liebe dir dienen
und als Glieder einer Gemeinschaft die Güter der Erde gebrauchen und teilen.
Vereint im Gebet als Schwestern und Brüder treten wir ein
in den weltweiten Kreis aller Gläubigen und bitten dich:

Immer mehr Menschen bewohnen die Erde und suchen Lebensraum, Arbeit und Brot;
immer enger rücken wir zusammen;
immer mehr werden alle voneinander abhängig.
Mach mein Herz weit für die Anliegen der Menschen,
dass ich fähig werde, an einer Gesellschaft mitzubauen,
deren Mitte du selbst bist.

Für die Verantwortlichen in Politik und Sozialpartnerschaft,
die unsere Arbeitswelt zum Wohle aller Menschen gestalten, stärke ihren Mut und ihre Kreativität jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die gute Arbeitsplätze für alle ermöglichen.

Für uns alle, damit uns im Wirtschaften nicht nur das Streben nach dem eigenen Profit leitet,
stärke in uns die Bereitschaft dafür zu sorgen,
dass alle Menschen den gerechten Anteil an den gemeinsam erwirtschafteten Gütern und Leistungen erhalten.

Schenke uns ein achtsames Herz für die Gabe des Lebens
um aufzubegehren gegen die Ungerechtigkeit die in der Welt geschieht.
Schenke uns wache Augen für uns selbst für alle Menschen nah und fern und für die Welt in ihrem Licht und ihrem Schatten.
Geöffnete Hände die sich deinen Verheißungen entgegenstrecken und mit denen wir uns dem Lebenszeugnis deines Sohnes öffnen, damit wir uns als Schwestern und Brüdern begegnen.

Für alle, die sich für Gerechtigkeit in der Welt einsetzen:
dass sie in ihrer oft so vergeblichen Anstrengung nicht mutlos werden und selbst etwas von der Auferstehung erfahren.
Nicht nur den Jüngern damals sondern auch den Menschen heute hast du dich als der Auferstandene gezeigt.
Dir vertrauen wir auch unsere Sorgen und Nöte
unseren Dank und unseren Lob an.

 

Stille für das persönliche Gebetsanliegen

 

Vater unser
Wir heißen Gottes Kinder;
wir sind Gottes Kinder;
in diesem Vertrauen beten wir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Sendungslied EG 99
Christ ist erstanden …

 

Segensgebet

Gott segne dich,
dass du jeden Tag
als erfüllte Zeit erlebst:
dass das Leiden von gestern
und die Angst vor morgen
ihre Schrecken verlieren
und die Botschaft vom Heil der Welt
auch in dir Gestalt gewinnt.
Gott segne dich,
dass du dem Morgen
mit froher Erwartung entgegensiehst:
dass dir aus dem, was dir bisher
gelungen ist,
Freude und Kraft
für die Zukunft erwächst
und sich in dem, was du tust
und was dir geschenkt wird
deine Sehnsucht erfüllt.
So segne dich der gütige Gott,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

(Burggebetsmappe S 197)

Hausandacht zum 1. Mai 2020 von Pfr. Jörg Lusche

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Quellen:
velkd.de, evangelische-liturgie.de, reformiert-info.de – Gebete,
Gebete für Gottesdienste – Evangelisch-reformierte Kirche, evangelisch.de
Evangelisches Tagzeitenbuch